Chapter 5: Die scherzhafte Warnung

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Nach dem beunruhigenden Abendessen konnte ich keine Minute länger warten. Sobald Markus und Elias sich in ihre jeweiligen Zimmer zurückgezogen hatten, schlich ich mich in mein Arbeitszimmer. Meine Hände zitterten, als ich mein Handy nahm, das Gefühl einer drohenden Katastrophe lag schwer in der Luft.

Ich wählte Lenas Nummer. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie abhob.

“Clara? Alles in Ordnung? Du rufst um diese Zeit ja sonst nie an”, hörte ich ihre besorgte Stimme.

Ihr Ton war wie ein Anker in einem stürmischen Meer. Ich konnte mich kaum zusammenreißen.

“Nein, Lena, es ist nicht in Ordnung”, presste ich hervor. Meine Stimme brach fast. “Ich glaube, Markus und Elias planen etwas.”

Lena schwieg einen Moment. Ich hörte sie tief einatmen.

“Erzähl mir alles”, sagte sie dann, ihre Stimme war plötzlich sehr ernst, professionell. “Von Anfang an.”

Ich holte tief Luft und begann zu erzählen. Ich schilderte ihr alles: Elias’ unangekündigten Einzug, die ständigen Verlängerungen, die seltsamen Blicke auf meine Hauspapiere, die belauschten Gespräche über “Vermögensliquidation” und “Papierreparaturen”. Ich erzählte ihr von Leos Entdeckung des Koffers und den Mahnungen des Finanzamts.

Dann kam ich zu Elias’ Frage beim Abendessen.

“Er hat mich gefragt, ob ich ‘meinem Mann und seiner Familie nicht traue'”, sagte ich, die Wut in meiner Stimme war unverkennbar. “Es war keine Frage, Lena. Es war eine Drohung. Eine scherzhafte Warnung.”

Lena hörte schweigend zu. Ich konnte mir vorstellen, wie sie am anderen Ende der Leitung Notizen machte.

“Das ist sehr ernst, Clara”, sagte sie schließlich. Ihre Stimme war jetzt kühl und bedacht. “Das klingt nach mehr als nur nach familiären Querelen. Das klingt nach Betrug.”

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, aber auch eine Art Erleichterung. Jemand verstand mich.

“Was soll ich tun?”, fragte ich. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie das kleine Mädchen, das Rat von ihrer großen Schwester brauchte.

“Du musst extrem vorsichtig sein”, riet Lena. “Nichts unterschreiben. Keine Informationen preisgeben. Tue so, als wüsstest du von nichts.”

Sie legte eine kurze Pause ein. Ich hörte das Klicken ihrer Tastatur.

“Ich werde diskret anfangen, Elias’ Finanzgeschichte zu überprüfen”, fuhr Lena fort. “Ich habe einige Kontakte, die mir dabei helfen können, seine Geschäftspraktiken zu durchleuchten. Das wird einige Tage dauern.”

Meine Hoffnung stieg. Endlich ein konkreter Plan.

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