Die Tage nach meinem Gespräch mit Lena waren eine Zerreißprobe. Ich spielte die Rolle der ahnungslosen Ehefrau, lächelte bei Elias’ Witzen und nickte bei Markus’ Ausflüchten. Doch unter der Oberfläche kochte es. Die Distanz zwischen Markus und mir wurde unerträglich. Ich spürte förmlich, wie er meine Nähe mied.
Einige Tage später, an einem kühlen Münchner Morgen, erhielt ich eine Nachricht von Lena. Es war nur eine kurze SMS: “Ruf mich an. Wichtig.”
Mein Herz klopfte bis zum Hals. Ich wartete, bis Elias und Leo das Haus für einen Ausflug zum Tierpark verlassen hatten und Markus in seinem Arbeitszimmer eingesperrt war. Frau Schmidt war im Garten zugange, ihre Gartenschere klapperte rhythmisch.
Ich schlich mich in mein Arbeitszimmer und rief Lena an.
“Ich habe etwas herausgefunden, Clara”, sagte sie, ohne Umschweife. Ihre Stimme war ernst.
“Was ist es?”, fragte ich, meine Kehle war trocken.
“Elias Richter war in den letzten zwei Jahren bereits zweimal insolvent”, enthüllte Lena. “Und er betreibt eine Scheinfirma namens ‘Rheinblick Immobilien GmbH’.”
Ein eisiger Schock durchfuhr mich. Zweimal insolvent. Eine Scheinfirma.
Das war es also. Die “Rheinblick Immobilien GmbH” – der Name klang mir sofort vertraut, als hätte ich ihn schon einmal gehört, vielleicht in einem von Elias’ verstreuten Papieren.
“Diese Firma ist durch undurchsichtige Grundstücksgeschäfte aufgefallen”, fuhr Lena fort. “Sie kauft und verkauft angeblich Immobilien, aber es gibt keine klaren Belege für tatsächliche Transaktionen. Es riecht stark nach Geldwäsche oder einem Schneeballsystem.”
Mein Kopf drehte sich. Die Puzzleteile fielen mit beängstigender Geschwindigkeit zusammen.
Das war das fehlende Stück. Elias war nicht nur verzweifelt verschuldet, er war ein Betrüger, der ein ganzes System aufgebaut hatte.
“Hat das etwas mit meinem Haus zu tun?”, fragte ich, meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
“Das ist meine größte Sorge”, sagte Lena. “Eine Scheinfirma braucht Vermögenswerte, um glaubwürdig zu wirken oder neue Kredite zu bekommen. Dein Haus wäre ein perfektes Ziel.”
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Der Gedanke, dass mein Zuhause, mein einziger Besitz, als Pfand für Elias’ betrügerische Geschäfte missbraucht werden sollte, war unerträglich.
“Ich wusste es”, sagte ich. “Ich habe es gespürt. Sie wollten mein Haus.”
Lena riet mir, noch vorsichtiger zu sein. “Clara, das ist eine ernste Angelegenheit. Lass dir nichts anmerken. Und vor allem: Unterschreibe nichts, wirklich gar nichts, ohne dass ich es vorher gesehen habe.”
“Das werde ich”, versprach ich. Ich war fest entschlossen.
“Ich werde mich weiter umsehen”, sagte Lena. “Aber ich brauche konkrete Beweise, wenn wir rechtlich vorgehen wollen. Dokumente, Nachrichten, alles, was Elias’ Absichten beweist.”
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