Die Krankenschwester, die ihre Patientin vor einem falschen Hirntod bewahrte und alles verlor.
Die Zeit raste. Nur noch ein Tag trennte Frau Schmidt von dem Ende ihrer lebenserhaltenden Maßnahmen. Trotz des Zusatztestaments und meiner Aussage über Richters Drohungen stieß die Staatsanwaltschaft an ihre Grenzen. Die Mühlen der Justiz mahlten langsam, viel zu langsam für ein Menschenleben.
„Wir können keinen Eilantrag durchsetzen, der die medizinische Entscheidung aufhebt“, erklärte uns Frau Meier mit resignierter Stimme am Telefon. Sie hatte die ganze Nacht über versucht, rechtliche Schritte einzuleiten. „Die Gutachten von Herrn Vogel sind zu stark, die Bürokratie zu starr.“
Meine Schultern sackten. „Was machen wir jetzt?“
„Wir können nichts mehr tun, um es legal zu stoppen“, sagte sie. „Die Anordnung wird morgen früh vollstreckt.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Die Gewissheit des nahenden Endes war erdrückend.
In den Gängen des Krankenhauses spürte ich Klaus Vogels Triumph. Er lief mit seinen Anwälten auf und ab, ein arrogantes Grinsen auf den Lippen. Er wienert seine Uhr, die im grellen Krankenhauslicht glänzte. Er hatte gewonnen, das war ihm klar.
Dr. Kraus, den ich später abfing, sah noch elender aus als sonst. Seine Haltung war gebeugt, seine Augen müde.
„Helga“, sagte er, als ich ihn in einem leeren Gang ansprach. Er sah sich nervös um. „Ich habe mein Bestes versucht, die Entscheidung zu verzögern. Aber die juristische Situation ist erdrückend. Herr Vogel hat seine Anwälte eingeschaltet und mit Klagen gedroht.“
„Und Frau Schmidts Leben?“, fragte ich, meine Stimme war heiser. „Ist das alles, was zählt? Juristische Drohungen?“
„Es gibt Protokolle, Helga“, sagte er, seine Stimme war leise. „Die Gutachten sind eindeutig. Aus medizinischer Sicht ist kein weiteres Handeln geboten. Das ist die offizielle Linie.“
„Aber Sie wissen, dass es nicht stimmt!“, drängte ich. „Sie haben ihre Bewegung gesehen! Und wir haben Beweise für Klaus’ Motiv!“
Dr. Kraus nickte langsam. „Ich habe es gesehen, Helga. Und ich habe Ihre Unterlagen zur Kenntnis genommen. Glauben Sie mir, es beschäftigt mich. Aber ich bin an die Regeln gebunden. Die Klinik kann sich keinen langwierigen Rechtsstreit mit Herrn Vogel leisten, besonders nicht, wenn die medizinische Aktenlage auf seiner Seite zu sein scheint.“
„Er hat die medizinische Aktenlage manipuliert!“, rief ich, meine Stimme brach fast.
„Helga, bitte“, sagte Dr. Kraus, seine Stimme war flehend. „Verstehen Sie, dass meine Hände gebunden sind. Ich habe versucht, eine weitere Ethikkommission einzuberufen, aber die Zeit reicht nicht mehr.“
„Und was ist mit Ihrer Verantwortung als Arzt?“, fragte ich. „Als Mensch?“
Er blickte mich traurig an. „Meine Verantwortung ist es auch, die Klinik zu schützen und sicherzustellen, dass die Prozesse eingehalten werden. Ich bin nur ein Rädchen im Getriebe, Helga.“ Er legte mir kurz die Hand auf den Arm. „Es tut mir leid.“
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