Chapter 6: Die dunklen Fäden des CEOs

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Die Nacht nach der Konfrontation mit Carla war schlaflos. Die Erkenntnis, dass meine Freundin eine Saboteurin war, die sich als Whistleblowerin inszenierte, zermürbte mich. Doch ihre Worte hallten in meinem Kopf wider: “Manchmal heiligt der Zweck die Mittel.” Ich konnte ihre Wut auf den “Schatten-Algorithmus” verstehen, auch wenn ich ihre Methoden verabscheute. War sie wirklich nur eine Rächerin? Oder steckte mehr dahinter?

Am nächsten Morgen erhielt ich eine verschlüsselte Nachricht auf meinem privaten Handy, einem alten Gerät, das ich kaum benutzte. Die Absenderkennung war unbekannt, aber der Inhalt war kryptisch und präzise.

“Triff mich um 21 Uhr am alten Brückenpfeiler. Allein.”

Ich kannte den Ort. Eine verlassene Stelle am Fluss, wo sich niemand sonst aufhielt. Es konnte nur Jens sein. Er war im Hintergrund geblieben, seit er als Sündenbock inhaftiert worden war.

Ich zögerte. War es sicher? Aber die Neugier und die verzweifelte Suche nach der ganzen Wahrheit waren stärker als jede Angst. Ich musste wissen, was Jens mir zu sagen hatte.

Pünktlich um 21 Uhr stand ich am Brückenpfeiler. Die Lichter der Stadt waren weit entfernt, nur das leise Rauschen des Flusses war zu hören. Die Luft war kühl und feucht. Eine Gestalt trat aus dem Schatten. Es war Jens. Er trug eine dunkle Kapuzenjacke, sein Gesicht war kaum zu erkennen.

“Danke, dass du gekommen bist, Dr. Richter”, sagte er, seine Stimme war wie immer ruhig, fast monoton.

“Jens, was ist hier los?”, fragte ich, meine Hände rieben sich nervös aneinander. “Warum hast du mich hierher gebeten?”

Er reichte mir einen kleinen USB-Stick.

“Das hier sollte einige deiner Fragen beantworten. Und auch die von Dr. Bergmann.”

“Was ist das?”, fragte ich.

“Interne UfaVerse-Kommunikationen”, erklärte er. “Verschlüsselt. Von einem meiner ehemaligen KSM-Kontakte. Die Systeme von UfaVerse sind wie offene Bücher, wenn man weiß, wie man sie liest.”

KSM. Die militärische Kryptoanalyse-Einheit. Ich erinnerte mich an die Notiz in seinem unscheinbaren Lebenslauf. Er war mehr als nur ein Systems Engineer. Er war ein Meister der Informationsbeschaffung und -analyse. Kein Wunder, dass er Klara die Feinheiten der Wahrscheinlichkeit so leicht beibringen konnte. Er hatte gelernt, Systeme zu durchdringen, Muster zu erkennen, die andere übersahen.

“Diese Dokumente”, fuhr Jens fort, “zeigen, dass Herr Voss und ein kleiner Kreis von Vorstandsmitgliedern nicht nur vom ‘Schatten-Algorithmus’ wussten, sondern ihn sogar in Auftrag gegeben hatten.”

Mein Magen zog sich zusammen. Das war nicht nur Ethikverletzung. Das war systematische, vorsätzliche Ausbeutung.

“Sie haben ihn entwickelt, um die Marktdominanz zu sichern”, erklärte Jens. “Neue Talente wurden nur dann gefördert, wenn sie bereits Verträge mit UfaVerse-eigenen Agenturen hatten. Alle anderen wurden bewusst in den Ranglisten manipuliert, ihre Sichtbarkeit reduziert. Eine perfekte Monopolstrategie.”

Ich nickte. Das passte zu Carlas Wut. Ihre Behauptung, UfaVerse aus “gerechten” Motiven sabotieren zu wollen, gewann an Glaubwürdigkeit.

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