Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, aber es war nicht nur die Übelkeit der Schwangerschaft. Lukas saß mir gegenüber, sein Blick war ernst, fast entschuldigend. Die schicke Cafeteria in unserem Agenturgebäude, normalerweise ein Ort geschäftigen Geplappers, schien um uns herum zu verstummen. Ich hatte ihn gebeten, Ben genauer unter die Lupe zu nehmen, aber die Wahrheit, die er mir nun präsentierte, war weit verstörender, als ich es mir je hätte ausmalen können.
„Es ging nicht erst los, als du mich gebeten hast“, sagte Lukas leise, seine Stimme kaum über das Klirren der Tassen hinweg zu hören.
Er schob sein Tablet über den Tisch. Auf dem Bildschirm leuchteten Zeilen kryptischer Daten, Überweisungsziffern und ungewöhnliche Firmennamen auf. Mein Blick huschte über die Zahlen, mein Herz pochte unregelmäßig. Die vertraute Sprache der Finanzen, die ich sonst für meine Klienten navigierte, sah plötzlich so feindselig aus.
„Was meinst du?“, fragte ich, meine Stimme war heiser.
„Ich habe schon vor Monaten angefangen.“ Lukas schob sich eine Strähne seiner dunklen Haare aus der Stirn. „Erinnerst du dich an die Gala vor sechs Monaten? Die, bei der Ben diesen Preis für ‚Nachwuchstalent‘ bekommen hat?“
Ich nickte. Ich hatte die gesamte Marketingkampagne dafür geleitet. Es war ein voller Erfolg gewesen.
„Ich habe dort einen alten Bekannten aus der Finanzbranche getroffen, der jetzt bei einer Investmentfirma arbeitet“, fuhr Lukas fort. „Er erwähnte beiläufig Bens Namen im Zusammenhang mit einigen… sagen wir, ungewöhnlich hohen Ausgaben für jemanden, der noch am Anfang seiner ‚großen‘ Karriere stand.“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Das war lange vor meiner Schwangerschaft, lange bevor ich die ersten beunruhigenden Anzeichen von Bens Untreue bemerkt hatte.
„Er sagte, Ben hätte sich plötzlich für Offshore-Investitionen interessiert, für Scheinfirmen, die niemanden kannten“, erklärte Lukas. „Ich hab’s damals abgetan, Ben ist ja ein Aufschneider, das weißt du.“
Ich kannte Ben. Seine Großspurigkeit, seinen Drang, immer der Beste zu sein, egal was es kostete. Aber ich hatte es immer für harmloses Imponiergehabe gehalten. Nicht für die kalte Berechnung eines Betrügers.
„Aber es hat mich nicht losgelassen“, fuhr Lukas fort. „Ich hab angefangen, genauer hinzusehen. Nur aus Neugier, zuerst. Und dann… dann hab ich diese Spuren gefunden.“
Er tippte auf das Tablet. Eine detaillierte Aufstellung erschien, die Bens angebliche Einnahmen mit seinen tatsächlichen Ausgaben und den unerklärlichen Überweisungen in Beziehung setzte. Summen, die für einen Schauspieler seines damaligen Kalibers jenseits aller Vorstellungskraft lagen.
„Ich habe die ‚Produktionsfirma‘ entdeckt, die angeblich unser ‚Star-Projekt‘ finanzierte“, sagte er. „Es ist eine Briefkastenfirma in Liechtenstein, Anja. Ohne jegliche echte Geschäftsaktivität. Ben hat über diese Firma Gelder von unseren Konten abgezweigt und als ‚Produktionskosten‘ deklariert.“
Mir wurde übel. Nicht nur von der Schwangerschaft. Das war nicht nur untreue. Das war Betrug in einem Ausmaß, das mein gesamtes professionelles Leben gefährden konnte. Das war meine Agentur, mein Ruf, die Arbeit, die ich mein ganzes Leben lang aufgebaut hatte.
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