Chapter 3: Der nervöse Notar

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Der Konferenzraum von Frau Dr. Schmidts Kanzlei roch nach Leder und alten Büchern. Ich saß an dem riesigen Mahagonitisch, gegenüber meiner Anwältin, die Lukas‘ detaillierte Unterlagen mit wachem Blick studierte. Draußen tobte ein typischer Herbststurm gegen die hohen Fenster, ein passender Soundtrack für die Enthüllungen, die sich anbahnten.

„Das ist ein Meisterwerk der Verheimlichung, Lukas“, sagte Frau Dr. Schmidt, als sie die letzte Seite beiseitelegte. Ihr Tonfall war kühl, aber ihre Augen zeigten Respekt. „Herr Lehmann hat sich wirklich Mühe gegeben, seine Spuren zu verwischen.“

Lukas nickte. „Bis auf die kleinen Details. Die digitalen Fingerabdrücke, die er für unwichtig hielt.“

„Und wie es das Schicksal will“, fuhr Frau Dr. Schmidt fort, „haben wir jetzt einen unerwarteten Verbündeten in unserer Sache.“

Mein Blick traf den ihren. „Herr Klein?“

Sie lächelte dünn. „Der gleiche Herr Klein, der Notar, der die Scheidungspapiere und all die anderen… unglücklichen Dokumente für Herrn Lehmann beurkundet hat.“

Sie schob ein aktuelles Nachrichtenblatt über den Tisch. Es war eine kleine Meldung, fast unscheinbar, über einen Fall von Immobilienbetrug in einem Vorort von Berlin. Ein unscheinbarer Makler hatte versucht, ein Grundstück zweimal zu verkaufen, und der Notar, der die zweite, illegale Beurkundung vorgenommen hatte, war nun im Fokus der Ermittlungen.

„Herr Günther Klein“, las ich laut, spürte, wie sich eine seltsame Mischung aus Abscheu und Hoffnung in mir regte.

„Der war es, der Ben an diesen obskuren Offshore-Deal vermittelt hat“, fügte Lukas hinzu. „Ich habe alte E-Mails gefunden, die das belegen. Ben hat Klein damals als ‚echten Kenner der Materie‘ bezeichnet.“

Frau Dr. Schmidt schnippte mit den Fingern. „Perfekt. Klein war nicht nur Bens Handlanger, er ist auch ein Mittäter. Und jetzt hat er selbst Ärger. Nicht wegen Ben, sondern wegen eines völlig unabhängigen, viel kleineren Betrugsfalls.“

„Das macht ihn doch nur noch gefährlicher, oder?“, fragte ich. „Er wird alles tun, um seine eigene Haut zu retten.“

„Richtig“, erwiderte Frau Dr. Schmidt. „Aber es macht ihn auch extrem verwundbar. Er ist jetzt unter Druck. Die Behörden werden ihn ausquetschen. Und wenn er erst einmal ins Schwitzen gerät, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auspackt – über alles.“

Gerade als sie das sagte, vibrierte Lukas’ Handy. Er warf einen Blick auf den Bildschirm, ein Schatten huschte über sein Gesicht.

„Ben versucht seit Stunden, Klein zu erreichen“, sagte Lukas. „Das sind jetzt der siebte Anruf und die dritte SMS in den letzten zwanzig Minuten.“

„Ach, tatsächlich?“, bemerkte Frau Dr. Schmidt mit einem triumphierenden Funkeln in den Augen. „Das ist unsere Schwachstelle. Herr Klein ist ein Opportunist. Und Opportunisten sind feige, wenn es ernst wird.“

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