Chapter 2: Der unerwartete Anruf

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Am nächsten Morgen spürte ich sofort, dass etwas nicht stimmte.

Ein kühler Luftzug strich durch das Haus, obwohl alle Fenster geschlossen waren.

Papa Thomas war bereits wach.

Er stand vor der Hintertür, die zum Garten führte, die Schultern straff, die Hände auf die Hüften gestützt.

Seine Augen waren weit aufgerissen, als er die Türschwelle musterte.

„Lena, Claudia!“, rief er, seine Stimme klang gepresst.

Mama und ich eilten zu ihm.

Ein Schauder lief mir über den Rücken, als ich sah, was er meinte.

Die Holzschwelle war zerkratzt, tiefe, frische Spuren zeigten sich am Rahmen.

Ein breiter Spalt klaffte an der Türzarge, als hätte jemand versucht, sie mit roher Gewalt aufzuhebeln.

Ein paar Holzsplitter lagen auf dem Boden.

„Jemand hat versucht, bei uns einzubrechen“, murmelte Papa ungläubig.

Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

„Zum Glück haben sie es nicht geschafft.“

Mama Claudia legte eine Hand auf meinen Arm.

Ihr Blick traf meinen.

Wir beide wussten sofort, wer dahintersteckte.

Das Video, das wir am Tag zuvor aufgenommen hatten, brannte sich in mein Gedächtnis.

Oma Ingrid, wie sie dem Fremden unsere Hausschlüssel übergab.

Die Anweisungen, wann das Haus leer sein würde.

Und jetzt dieser Einbruchsversuch.

Es passte alles zusammen, aber Papa sah es nicht.

Er blickte sich im Flur um, als könnte der Täter noch irgendwo lauern.

„Ich verstehe das nicht“, sagte er.

„Wir haben hier doch nichts Wertvolles, was die Leute anziehen würde.“

Mama und ich tauschten einen besorgten Blick aus.

Wir hatten es gestern Abend nicht geschafft, Papa das Video zu zeigen.

Die Worte steckten uns im Hals fest.

Wie sollten wir ihm sagen, dass seine eigene Mutter versuchte, unser Zuhause zu zerstören?

„Vielleicht sollten wir die Polizei rufen“, schlug Mama vor, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Papa zögerte.

„Ach, das bringt doch nichts“, winkte er ab.

„Es ist ja nichts passiert. Die haben nur versucht einzubrechen. Das passiert überall in Dortmund.“

Er schüttelte den Kopf.

„Sicher nur irgendwelche Jugendlichen.“

Seine Naivität tat fast weh.

Er wollte es nicht sehen, die Möglichkeit, dass jemand Bösartiges in unser Leben eingedrungen war.

Schon gar nicht, dass es Oma Ingrid war.

Ich spürte eine Welle der Übelkeit aufsteigen.

Der Geruch von Holzstaub hing noch in der Luft.

Papa holte einen Schraubenzieher und versuchte, die schlimmsten Spuren zu verbergen, als könnte er das Geschehene damit ungeschehen machen.

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