Chapter 4: Die abgewiesene Konfrontation

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Wir warteten, bis Papa aus seinem Arbeitszimmer kam.

Er sah immer noch elend aus, seine Miene war verschlossen.

Er setzte sich an den Küchentisch und goss sich einen Kaffee ein, ohne uns anzusehen.

Mama legte die Dokumente vorsichtig vor ihn auf den Tisch.

„Thomas“, sagte sie, ihre Stimme war sanft, aber bestimmt.

„Wir müssen mit dir über Oma Ingrid sprechen.“

Papas Hand erstarrte am Kaffeelöffel.

Er blickte auf die Papiere, dann zu uns.

Seine Augen waren müde, aber ich sah auch eine Abwehrhaltung in ihnen.

„Ich habe euch doch gesagt, das ist ein Missverständnis“, murmelte er.

„Ich werde mit Mama reden. Sie wird uns alles erklären.“

Ich schob den Kontoauszug näher zu ihm.

„Papa, sieh dir das an“, sagte ich.

„Das ist ein Kontoauszug von Oma Ingrid. Von einer Online-Wettseite.“

Er nahm den Auszug in die Hand, seine Stirn legte sich in Falten.

Ich sah, wie sein Blick über die hohen Verlustbuchungen huschte.

Dann blieb er an der Überweisung an „Jürgen Meier“ hängen.

Er sah auf, seine Augen waren voller Unglauben.

„Jürgen Meier?“, fragte er leise.

„Aber das ist doch…“

Bevor er den Satz beenden konnte, hörten wir Schritte auf der Treppe.

Oma Ingrid.

Sie kam lächelnd in die Küche, ihre Haare waren perfekt frisiert, ein makelloser Blazer saß auf ihren Schultern.

Sie sah aus, als wäre nichts passiert.

„Na, meine Lieben“, sagte sie fröhlich.

„Was gibt es denn so früh am Morgen für ernste Gesichter?“

Ihr Blick fiel auf die Dokumente in Papas Hand.

Ihr Lächeln erstarrte.

Ein Schatten huschte über ihr Gesicht.

„Was ist das denn?“, fragte sie, ihre Stimme klang jetzt kühl und scharf.

Mama nahm ihren Mut zusammen.

„Ingrid, wir wissen, dass du finanzielle Probleme hast“, sagte sie.

„Und wir wissen, was du geplant hast.“

Oma Ingrid lachte auf, ein hohes, falsches Lachen.

„Finanzielle Probleme? Ich? Unsinn! Und was soll ich denn geplant haben?“

Sie trat näher an den Tisch.

„Ist das mein alter Kontoauszug? Lena, hast du etwa in meinem Müll gewühlt?“

Ihr Blick bohrte sich in mich.

Ich wich nicht zurück.

„Ich musste wissen, was los ist, Oma“, sagte ich fest.

„Du hast versucht, unser Haus zu verkaufen. Und du hast einen Einbrecher bezahlt.“

Oma Ingrid schüttelte den Kopf, als wäre ich verrückt geworden.

„Einbrecher? Haus verkaufen? Lena, was redest du da für einen Unsinn? Du hast zu viel Fantasie.“

Sie nahm Papa den Kontoauszug aus der Hand.

„Ach, dieser Eintrag“, sagte sie, als würde sie sich gerade erinnern.

„Das ist doch gar nichts. Das war für dein Geburtstagsgeschenk, Thomas. Ich habe nur heimlich etwas dafür angespart.“

Sie sah Papa liebevoll an, ihre Augen waren voller Unschuld.

„Ich wollte dich überraschen, mein Schatz. Es sollte etwas ganz Besonderes werden.“

Papa sah sie an.

Seine Miene war ein einziges Fragezeichen.

Er wollte ihr glauben, das sah ich.

Er rang innerlich mit sich.

„Und der Mann gestern in der Thier-Galerie?“, fragte Mama.

„Die Schlüssel, der Familienkalender. Wir haben es gesehen, Ingrid. Lena hat es gefilmt.“

Oma Ingrid zuckte mit den Schultern.

„Ach, der Mann. Das war doch nur der Lieferant für meinen neuen Rollator“, sagte sie nonchalant.

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