Chapter 6: Die erste Befragung

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Am nächsten Morgen kam ein junger Kriminalbeamter zu uns ins Haus.

Er trug einen dunklen Anzug und hatte einen ernsten Ausdruck auf dem Gesicht.

Er inspizierte die Hintertür, machte Fotos von den Kratzspuren und der aufgehebelten Zarge.

Papa Thomas erklärte ihm alles, was er wusste, seine Stimme war jetzt fest, ohne die frühere Naivität.

Er erwähnte erneut den Namen Jürgen Meier und die Überweisung.

Der Beamte notierte alles sorgfältig.

„Wir haben Herrn Meier bereits im Visier“, sagte er.

„Er ist uns bekannt. Ihre Informationen sind sehr hilfreich.“

Mein Herz klopfte.

Das war es.

Die Schlinge zog sich zu.

Danach bat der Beamte uns alle zu einer formellen Befragung.

Auch Oma Ingrid sollte anwesend sein, da der Name Jürgen Meier im Zusammenhang mit ihrer Überweisung aufgetaucht war.

Wir saßen im Wohnzimmer, das jetzt seltsam formell wirkte.

Oma Ingrid saß steif auf der Couch, ihre Hände in den Schoß gefaltet.

Ihr Gesicht war blass, aber ihre Augen blitzten immer noch vor Trotz.

Der Polizist erklärte die Situation.

„Frau Schneider, es gibt eine Überweisung von Ihrem Konto an Herrn Jürgen Meier“, sagte er ruhig.

„Herr Meier ist uns bekannt als jemand, der in solche Einbruchsversuche verwickelt ist. Können Sie uns sagen, warum Sie ihm Geld überwiesen haben?“

Oma Ingrids Augen huschten zu Papa.

Er saß da, die Arme verschränkt, sein Blick auf sie gerichtet.

Er erwartete eine Antwort.

Ihre frühere Erklärung vom Rollator und dem Geburtstagsgeschenk konnte sie jetzt nicht mehr bringen.

„Das… das ist doch Unsinn“, stammelte Oma Ingrid.

Ihre Stimme war unsicher.

„Ich kenne keinen Jürgen Meier.“

Der Polizist hob eine Augenbraue.

„Der Kontoauszug sagt etwas anderes, Frau Schneider. Die Überweisung ist klar ersichtlich.“

Oma Ingrid schluckte schwer.

Sie wich seinem Blick aus.

Dann schaute sie wieder zu Papa.

Eine neue, gefährliche Idee schien in ihren Augen aufzublitzen.

„Ich glaube, das ist alles eine Verwechslung“, sagte sie, ihre Stimme wurde jetzt lauter und entschlossener.

„Diese beiden… Claudia und Lena… sie sind schon lange nicht gut auf mich zu sprechen.“

Mama schnappte nach Luft.

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.

Ich wusste, was sie vorhatte.

„Sie sind eifersüchtig“, fuhr Oma Ingrid fort, ihre Stimme klang jetzt fast weinerlich.

„Eifersüchtig auf meine Beziehung zu Thomas. Und sie wollen mich aus dem Haus haben.“

Papa riss die Augen auf.

Er sah seine Mutter ungläubig an.

„Mama, was redest du da?“, fragte er, seine Stimme war entsetzt.

„Sie wollten bestimmt, dass ich in eine Seniorenresidenz ziehe“, sagte Oma Ingrid, ihre Stimme wurde jetzt schneidend.

„Und da haben sie sich so etwas ausgedacht. Sie haben den Einbruch erfunden. Und diese Überweisung… das ist bestimmt ein Trick!“

Ihr Blick traf Mama.

„Sie wollten Thomas gegen mich aufhetzen! Sie haben mich reingelegt!“

Mama stand wütend auf.

„Ingrid, wie kannst du so etwas behaupten?“, rief sie.

„Das ist eine abscheuliche Lüge!“

Der Polizist hob eine Hand.

„Bitte beruhigen Sie sich, Frau Müller.“

Er sah Oma Ingrid an.

„Frau Schneider, das sind schwerwiegende Anschuldigungen. Haben Sie Beweise für diese Behauptungen?“

Oma Ingrid zuckte mit den Schultern.

„Sie hassen mich einfach“, murmelte sie.

„Das ist doch Beweis genug.“

Papa saß da, völlig geschockt.

Seine Loyalität zu Oma Ingrid wurde erneut auf eine harte Probe gestellt.

Er hatte ihr schon einmal geglaubt, als sie uns angelogen hatte.

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