Der Tag, auf den UfaVerse Entertainment seit Monaten hingearbeitet hatte, brach an wie ein makelloser Morgen. Ich saß in meinem Büro, der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft, vermischt mit einer leisen, elektrischen Spannung. Die Bildschirme zeigten die Startseiten der Nachrichtenportale, alle bereit für die große Ankündigung: den Launch der “TalentPulse”-Plattform.
Mein Herz klopfte.
Es war das Ergebnis monatelanger, harter Arbeit – mein Projekt, meine Zahlen, meine Teams. Ich war nervös, aber auch stolz. Der CEO, Herr Voss, hatte eine kurze E-Mail geschickt, in der er sich für unseren “unermüdlichen Einsatz” bedankte.
Eine halbe Stunde später zerbrach diese perfekte Fassade mit einem einzigen, schrillen Alarm.
Es war der höchste Notfall-Alarm des Systems, ein markerschütternder Ton, der normalerweise nur bei externen Cyberangriffen ausgelöst wurde. Das Licht in meinem Büro flackerte, die Bildschirme schalteten auf ein grelles Rot um. Panik breitete sich aus wie ein Lauffeuer. Ich stürmte aus meinem Büro.
Der Großraumbereich meiner Abteilung war bereits in Aufruhr. Meine Kollegen starrten entsetzt auf ihre Monitore, auf denen nur noch Fehlermeldungen erschienen. Die Plattform, die eben noch Milliarden wert gewesen war, brach vor unseren Augen zusammen.
“Was zur Hölle passiert hier?”, schrie eine Stimme vom Ende des Flurs.
Es war Herr Voss, sein Gesicht aschfahl, seine sonst so glatten Haare standen wild ab. Er trug ein teures, aber zerknittertes Hemd und sah aus, als wäre er direkt aus dem Bett gesprungen. Sein Blick suchte nach jemandem, den er zur Rechenschaft ziehen konnte.
“Die Daten”, stammelte einer meiner Analysten. “Alles weg. Komplett korrumpiert.”
Ich spürte, wie mir kalt den Rücken herunterlief. Nicht nur ein Ausfall. Ein Datenbruch. Das war ein Desaster unvorstellbaren Ausmaßes für ein Unternehmen, dessen Wert auf vertraulichen Künstlerdaten und Algorithmen basierte.
Voss rannte ins Serverzentrum, gefolgt von einem Schwanz panischer IT-Mitarbeiter. Ich folgte ihm, mein Verstand raste. Wer konnte das tun? Wie konnte das passieren?
Im Serverraum herrschte ohrenbetäubender Lärm von surrenden Ventilatoren und blinkenden Lichtern, die ein apokalyptisches Spektakel boten. Voss stand vor einer Reihe von Server-Racks und schrie in sein Telefon.
“Finden Sie ihn! Ich will wissen, wer das war! Ich will Köpfe rollen sehen!”
Ich sah mich um. Mein Blick fiel auf Jens Kramer, der, inmitten des Chaos, verdächtig ruhig vor einem der Server stand und mit einer Reihe von Kabeln hantierte. Er war der einzige, der keine Panik zeigte. Seine Haltung war entspannt, fast gleichgültig. Das verstärkte nur das Gefühl, dass er der erste sein würde, der unter Verdacht gerät.
“Kramer!”, brüllte Voss, seine Augen blutunterlaufen. “Was ist hier los? Sie haben uneingeschränkten Zugriff auf alles!”
Jens drehte sich langsam um. Sein Gesicht war ausdruckslos.
“Es ist kein externer Hack, Herr Voss”, sagte er mit einer ruhigen Stimme, die im Kontrast zu dem hysterischen Ton des CEO stand. “Die Signaturen stimmen nicht. Es ist zu sauber. Zu präzise.”
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