Chapter 3: Der Verdacht der Freundin

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Die Tage nach dem “TalentPulse”-Desaster waren ein Albtraum. Das Büro war ein Schlachtfeld aus Hysterie und Schuldzuweisungen. Dr. Anna Bergmann, die Leiterin der internen Ermittlungen, war sofort vor Ort. Sie war eine Frau von Mitte fünfzig, mit streng zurückgebundenen Haaren und einem Blick, der selbst die erfahrensten Manager verstummen ließ. Ihre Präsenz war so kühl und methodisch wie ein Skalpell.

“Wir werden jede einzelne Zeile Code, jedes Protokoll, jede Zugriffsdatei überprüfen”, erklärte sie in einer Teams-Sitzung, ihr Blick glitt über uns alle.

Ich saß neben Carla, meiner langjährigen Freundin und Kollegin. Sie war Leiterin der Content Acquisition und hatte ebenfalls direkten Zugang zur Plattform. Carlas Gesicht war besorgt, aber gefasst. Sie war immer eine Meisterin darin gewesen, in Krisensituationen die Ruhe zu bewahren.

“Lena, Ihre Abteilung hat die primäre Verantwortung für die Datenintegrität”, sagte Anna Bergmann direkt an mich gewandt. “Ich erwarte Ihre volle Kooperation und alle Ressourcen, die Sie mir zur Verfügung stellen können.”

Ich nickte. Meine Aufgabe war es, die Datenmuster der Korruption zu analysieren und mögliche Schwachstellen aufzudecken. Parallel dazu untersuchten andere Teams die Serverprotokolle und Netzwerksicherheitsmaßnahmen. Jens war unter strikter Beobachtung, aber Anna Bergmann schien noch keine definitive Schlussfolgerung gezogen zu haben.

Ich verbrachte Stunden, Tage, vor den Bildschirmen. Jedes Datenpaket, jeder Systemaufruf, jede Benutzeraktion wurde von meinem Team und mir seziert. Die Nächte wurden kurz, der Kaffee bitter. Der Gedanke an Klara, die von diesem ganzen Chaos nichts ahnte, war meine einzige Motivation.

Irgendwann, mitten in einer endlosen Reihe von Logdateien, stieß ich auf etwas Merkwürdiges. Eine Reihe von privilegierten Zugriffen auf die zentralen Plattformdaten. Nicht nur auf die Oberfläche, sondern auf die tiefsten Schichten des “Schatten-Algorithmus” selbst. Diese Zugriffe waren nicht von einem IT-Team oder von Jens erfolgt. Sie stammten von einem Konto, das ich gut kannte.

Carla Schmidt.

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich rieb mir die Augen, glaubte, mich zu irren. Aber die Protokolle waren eindeutig. Zeitstempel, IP-Adressen, Authentifizierungsschlüssel – alles führte zu ihr. Sie hatte sich Zugang zu Bereichen verschafft, die weit über ihre Befugnisse als Leiterin der Content Acquisition hinausgingen. Und das immer kurz bevor meine eigenen Zugriffe auf diese sensiblen Bereiche begannen. Sie hatte meine Arbeit offenbar gespiegelt.

Ich starrte auf den Bildschirm, meine Hände zitterten. Carla? Meine beste Freundin? Die Frau, mit der ich seit Jahren durch dick und dünn gegangen war?

Ich brauchte Luft. Ich stand auf und ging zu Carlas Büro. Ihre Tür stand offen, sie telefonierte gerade, ihr Lachen klang leicht und unbekümmert. Das passte nicht zu den Beweisen, die ich gerade gefunden hatte.

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