Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich Johanna im Wohnzimmer gegenüberstand.
Ihr Gesicht war eine Maske der Unschuld.
„Wie kannst du das leugnen, Johanna?“, fragte ich, meine Stimme zitterte vor Unglauben. „Frau Weber hat von ‚unheimlichen Erscheinungen‘ berichtet. Sie glaubt, das Haus sei ungeeignet für die Kinder.“
Johanna zuckte mit den Schultern.
Sie hielt eine Tasse Kräutertee in den Händen, als wäre dies ein ganz normaler Nachmittag.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Elias“, sagte sie ruhig.
Ihre Ruhe war es, die mich am meisten irritierte.
„Ich habe Frau Weber freundlich empfangen, ihr einen Kaffee angeboten und ihr das Haus gezeigt. Mehr nicht.“
„Sie hat von Geräuschen gesprochen, von einer Kälte, die sie spürte“, erwiderte ich, meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Ich ging auf und ab, der Teppich knirschte unter meinen Füßen.
„Das Jugendamt hat meinen Antrag vorläufig abgelehnt. Verstehst du das? Das sind fünf Kinder, Johanna! Fünf Leben, die wir retten könnten!“
Sie stellte ihre Tasse vorsichtig auf dem Beistelltisch ab.
„Vielleicht war sie einfach empfindlich“, sagte sie, ihre Augen huschten kurz zum Fenster.
„Oder das Haus ist tatsächlich, sagen wir, ‚eigenwillig‘. Es ist alt, Elias. Das wusstest du.“
„Du tust so, als ginge es hier nur um eine kleine Unannehmlichkeit“, sagte ich.
Meine Stimme war lauter geworden, als ich es wollte.
„Zuerst verschwindet ein Großteil unseres Geldes, jetzt droht die gesamte Adoption zu platzen, und du bist völlig unbeteiligt?“
„Schatz, du bist gestresst“, sagte Johanna, mit einer Spur von herablassendem Mitleid.
Sie stand auf und kam auf mich zu, ihre Hand legte sich sanft auf meinen Arm.
Ich zuckte innerlich zusammen.
„Das alles ist eine große Belastung. Vielleicht solltest du dir etwas Ruhe gönnen.“
Ihre Berührung fühlte sich kalt an, nicht tröstlich.
Ich schob ihre Hand weg.
„Das ist keine Frage von Stress, Johanna“, sagte ich, meine Stimme war nun kaum mehr als ein Flüstern, aber voller Bitterkeit.
„Das ist eine Frage von Vertrauen. Und im Moment… im Moment habe ich das Gefühl, dass du mir nicht die ganze Wahrheit sagst.“
Ein knarrendes Geräusch von den Dielen im Obergeschoss ließ mich zusammenzucken.
Ich blickte nach oben, doch da war nichts.
Es war, als würde das Haus selbst meine Anspannung spüren.
„Glaubst du wirklich, ich würde so etwas tun?“, fragte Johanna, ihre Stimme nun etwas höher, eine gespielte Empörung.
„Ich bin deine Frau, Elias. Ich bin immer für dich da gewesen.“
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