Mein Großvater im falschen Rollstuhl: Ein Piepen deckte den Verrat meines besten Freundes auf
Herr Dr. Brandt hatte mir geraten, ruhig zu bleiben. Er würde sich um die juristischen Aspekte kümmern, während ich versuchte, Beweise zu sammeln. Aber meine Gedanken rasten. Ich musste Lena Meier finden. Sie war die einzige, die mir die ganze Wahrheit sagen konnte, die fehlenden Puzzleteile liefern.
Ich erinnerte mich an ihr Auto, einen älteren blauen Kleinwagen. Ich wusste noch, wie sie in Panik am Parkhaus davon gebraust war. Eine schnelle Suche im Internet nach Unfallberichten oder Zeugenaussagen in der Nähe des Parks blieb ergebnislos. Aber ich hatte ihr Gesicht gesehen, ihre Verzweiflung. Es musste einen Weg geben, ihre Identität zu ermitteln.
Ich begann, die kleinen Details des Vorfalls im Park zu rekonstruieren. Wo hatte Lena geparkt? War sie zu Fuß gekommen? Ich fuhr noch einmal zum Park, versuchte, mich in ihre Lage zu versetzen. Ich sah mir die Umgebung genau an, suchte nach versteckten Hinweisen. Ein kleines Café am Rande des Parks hatte eine Überwachungskamera. Es war eine vage Hoffnung, aber ich musste es versuchen.
Ich sprach mit der Besitzerin, einer älteren Dame, die zunächst abweisend war. Sie musterte mich misstrauisch.
„Wir geben keine Aufnahmen raus“, sagte sie schroff. Ihre Stimme war rau wie Schmirgelpapier.
Ich erklärte meine Situation, die Sorge um meinen Großvater. Ich sagte ihr, es ginge um ein Verbrechen, einen Betrug an einem alten Mann, der seine geistige Unabhängigkeit zu verlieren drohte. Ihr Blick wurde weicher, die Linien um ihre Augen entspannten sich.
„Ich kann Ihnen keine Kopie geben“, sagte sie leise. „Aber ich kann Ihnen sagen, wann und ob die Frau, nach der Sie suchen, hier war. Und vielleicht erkenne ich sie.“
Sie spulte die Aufnahmen zurück. Nach ein paar Minuten sah ich sie. Lena Meier. Sie hatte am Morgen des Vorfalls einen Kaffee geholt, bevor sie in ihr Auto gestiegen war. Und das Wichtigste: Sie hatte einen alten Schlüsselanhänger mit einem kleinen, leicht verblassten Logo eines IT-Dienstleisters in der Hand gehalten. Ein kleiner stilisierter Blitz und der Name „TechSolutions“.
Das war es. Ein Anhaltspunkt, ein kleiner Faden, an dem ich ziehen konnte. Ich fuhr direkt zu TechSolutions. Es war ein mittelgroßes Unternehmen in einem Industriepark am Stadtrand, ein grauer, unscheinbarer Bau aus Beton und Glas. Ich fragte am Empfang nach Lena Meier.
Die Rezeptionistin tippte auf ihrer Tastatur. Ihre Finger flogen über die Tasten.
„Lena Meier. Sie ist hier als technische Assistentin angestellt. Suchen Sie einen Termin?“
„Könnten Sie ihr bitte sagen, dass Elias Weber sie sprechen möchte? Es ist dringend. Es geht um ihren alten Arbeitgeber.“ Ich hoffte, diese Andeutung würde sie neugierig genug machen.
Die Rezeptionistin nickte und telefonierte. Nach einer Minute legte sie auf.
„Sie wird in zwanzig Minuten in der Caféteria auf Sie warten. Sie ist gleich in der Mittagspause.“
Mein Herz klopfte schneller. Ich hatte sie gefunden. Die Begegnung würde nicht einfach werden. Ich spürte eine Mischung aus Nervosität und Entschlossenheit.
Ich fand Lena an einem abgelegenen Tisch in der recht leeren Caféteria. Sie sah müde aus, ihre Augen waren rot gerändert, als hätte sie geweint. Als sie mich sah, zuckte sie zusammen. Eine Tasse kalten Kaffees stand vor ihr.
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