Mein Großvater im falschen Rollstuhl: Ein Piepen deckte den Verrat meines besten Freundes auf
Das Café, in dem ich Katja traf, lag außerhalb der Stadt, versteckt hinter einer Tankstelle. Sie war pünktlich. Ihr Gesicht war bleich, ihre Hände zitterten, als sie mir die Diskette über den Tisch schob. Eine stumme Bitte um Schutz lag in ihren Augen.
„Das ist alles, Herr Weber“, flüsterte sie. „Ich hoffe, es hilft. Ich kann nicht mehr tun.“
Ich nickte. Ich wusste, was sie riskierte. Sie hatte ihre Existenz aufs Spiel gesetzt.
„Es wird helfen, Katja. Vielen Dank. Sie haben das Richtige getan.“
Ich eilte nach Hause und schloss die Diskette sofort an meinen Computer an. Die echten DNA-Ergebnisse. Die E-Mails. Es war alles da. Die Beweise waren erdrückend, unbestreitbar. Anton war der Sohn von Jakob Vogel, Klaus’ Halbbruder. Nicht Klaus’ direkter Nachkomme. Und die Korrespondenz zeigte seine kalte, berechnende Planung, Klaus zu manipulieren und systematisch zu zerstören.
Ich rief Herrn Dr. Brandt an. Seine Stimme war voller Genugtuung, als ich ihm die neuen Funde mitteilte.
„Das ist es, Herr Weber! Das ist der Beweis, den wir brauchen. Die einstweilige Verfügung können wir sofort anfechten. Wir werden eine Klage einreichen, die Anton Vogel für immer das Handwerk legen wird. Er wird nie wieder einen Patienten behandeln dürfen.“
„Ich will ihn zuerst selbst konfrontieren, Herr Dr. Brandt“, sagte ich. Meine Stimme war fest.
Eine kurze Pause. Ich hörte ihn seufzen.
„Das ist keine gute Idee, Herr Weber. Lassen Sie die Justiz ihren Lauf nehmen. Anton Vogel ist gefährlich. Er hat bewiesen, wozu er fähig ist.“
„Ich muss das persönlich tun“, beharrte ich. „Er hat nicht nur meinen Großvater angegriffen. Er hat meine Freundschaft verraten, unsere Familie belogen. Das muss ich beenden. Von Angesicht zu Angesicht.“
Ich wusste, es war dumm. Aber etwas in mir verlangte nach dieser letzten Aussprache. Es war ein tief verwurzeltes Bedürfnis nach Abschluss.
Ich vereinbarte ein Treffen mit Anton in Klaus’ Villa. Über Frau König ließ ich ihm eine Nachricht zukommen: Ich hätte wichtige Informationen über die „Angreiferin“, die wir besprechen müssten. Er sollte allein kommen. Er musste wissen, dass ich etwas wusste, aber nicht, wie viel. Er würde meine Neugier auf die angeblichen „Gerüchte“ über seine Vormundschaft zu seinem Vorteil nutzen wollen, um mich zu manipulieren.
Ich wartete im Wohnzimmer. Klaus saß in seinem Sessel, die Decke über den Knien. Er wirkte schwach und verwirrt. Seine Augen flackerten. Der letzte Vorfall hatte ihm sichtlich zugesetzt, er hatte sich seitdem kaum erholt. Ich hatte Frau König gebeten, kurz das Zimmer zu verlassen, sobald Anton kam.
Das Klingeln an der Tür. Anton.
Er trat ein, sein Gesicht war eine Maske aus professioneller Gelassenheit und milder Besorgnis. Ein leichtes, selbstsicheres Lächeln spielte um seine Lippen.
„Elias. Ich bin überrascht, dass du hier bist. Die einstweilige Verfügung… ist sie schon aufgehoben?“
+ There are no comments
Add yours