Chapter 5: Die alte Wunde

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Mein Großvater im falschen Rollstuhl: Ein Piepen deckte den Verrat meines besten Freundes auf

Chapter 1: Das Piepen im Park

Chapter 2: Die freundliche Maske

Chapter 3: Das heimliche Treffen

Chapter 4: Das gefälschte Erbe

Chapter 5: Die alte Wunde

Chapter 6: Der digitale Beweis

Chapter 7: Die Villa der letzten Abrechnung

Die einstweilige Verfügung traf mich hart. Ich durfte Klaus nicht mehr sehen, nicht einmal das Grundstück betreten. Herr Dr. Brandt versicherte mir, dass er alles tun würde, um sie aufzuheben. Aber die Mühlen der Justiz mahlten langsam. Und Anton hatte jetzt freie Bahn, um seinen Plan ungehindert fortzusetzen.

Ich hatte immer noch Zugang zu Klaus’ Arbeitszimmer. Frau König, loyal und misstrauisch gegenüber Antons Motiven, hatte mir einen Ersatzschlüssel gegeben. Ihre Augen hatten dabei eine deutliche Botschaft übermittelt.

„Herr Richter braucht Ihre Hilfe, Elias“, hatte sie geflüstert. „Ich sehe, wie er sich verändert. Er ist so viel stiller geworden, so abwesend. Etwas stimmt nicht.“

Ich verbrachte die nächsten Tage und Nächte in Klaus’ alten Unterlagen. Er war ein pedantischer Mann gewesen, alles war säuberlich archiviert: Briefe, Geschäftsdokumente, aber auch persönliche Erinnerungsstücke. Ich suchte nach allem, was Antons Behauptung, Klaus’ leiblicher Sohn zu sein, widerlegen könnte. Und nach Hinweisen auf den „alten Groll“, von dem Lena gesprochen hatte.

Ich fand einen alten Fotoalbum, das tief in einer Schublade verborgen war. Es war voller Schwarz-Weiß-Bilder. Klaus als junger Mann, meine Großmutter, und dann… ein anderer Mann. Seine Gesichtszüge waren Anton unheimlich ähnlich. Die gleiche Nasenform, der gleiche Schnitt der Augen.

Unter einem der Fotos stand in Klaus’ krakeliger Handschrift: „Mein Halbbruder Jakob. Unser letztes gemeinsames Weihnachten.“

Jakob. Das war Antons Vater. Klaus’ Halbbruder. Sie hatten sich sehr ähnlich gesehen. Aber die Beziehung schien schwierig gewesen zu sein. Ein paar Seiten später fand ich einen Zeitungsartikel, vergilbt und eingerahmt: „Tragischer Tod des Unternehmers Jakob Vogel.“ Er war jung gestorben, angeblich an einem plötzlichen Herzinfarkt. Das war vor Jahrzehnten passiert, kurz nach einem großen wirtschaftlichen Abschwung.

Ich blätterte weiter. Alte Briefe zwischen Klaus und Jakob. Sie sprachen von einem gemeinsamen Geschäft, das gescheitert war. Von finanziellen Schwierigkeiten. Von einem großen Streit, der die beiden Männer entzweit hatte. Klaus hatte Jakob damals nicht geholfen, als dessen Unternehmen kurz vor dem Ruin stand. Jakob hatte es nie überwunden. Die Briefe waren voller Vorwürfe und bitterer Worte.

Das war der Groll. Die alte Wunde. Antons Vater hatte Klaus für seinen Untergang verantwortlich gemacht. Anton hatte diese Geschichte geerbt, sie zu seiner eigenen gemacht. Es war keine Gier allein. Es war Rache.

Während ich die Fotos sortierte, stieß ich auf medizinische Unterlagen von Klaus. Seine Krankenakte. Sie war detailliert, wie alles bei ihm. Ich fand einen Eintrag von vor etwa zwei Jahren: „Plötzliche akute Herzinsuffizienz, diagnostiziert als leichter Herzinfarkt. Ursache ungeklärt, erholte sich überraschend schnell, nahezu vollständig.“

Ich verglich die Symptome, die in Lenas Dateien über die Neuro-Stimulatoren aufgeführt waren, mit Klaus’ damaligen Beschwerden. Schwindel, Desorientierung, Herzrhythmusstörungen, die sich nach kurzer Zeit wieder normalisierten. Es passte perfekt. Die Beschreibung war unheimlich präzise.

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