Chapter 4: Ein ungelöstes Geheimnis

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Zwei Tage später, ich war bereits tief in die Stiftungsarbeit eingetaucht, klingelte mein Handy. Eine unbekannte Nummer. Ich zögerte.

Nach Jakobs Betrug war ich misstrauisch geworden. Aber ich musste auch erreichbar bleiben für die Stiftung.

Ich nahm ab. Eine klare, bestimmte Frauenstimme meldete sich.

„Guten Tag, Frau Meyer. Mein Name ist Katja Bauer. Ich bin Journalistin und arbeite an einer unabhängigen Recherche über Stiftungen in Deutschland, insbesondere solche mit historischem Hintergrund wie die Schumann-Stiftung.“

Mein Magen zog sich zusammen. Eine Journalistin. Ausgerechnet jetzt.

„Was genau möchten Sie wissen, Frau Bauer?“, fragte ich, meine Stimme so neutral wie möglich.

„Ich habe gehört, dass die Schumann-Stiftung in letzter Zeit einige Veränderungen durchläuft, insbesondere was die Leitung angeht“, fuhr Katja Bauer fort, ihre Stimme klang freundlich, aber ich spürte eine unterliegende Hartnäckigkeit. „Ich würde mich gerne mit Ihnen treffen, um mehr über die Geschichte und die aktuellen Projekte zu erfahren. Vielleicht auch, wie eine so junge Frau die Leitung einer so traditionsreichen Institution übernimmt.“

Ich war skeptisch. Ihre Fragen klangen zu harmlos für das, was ich befürchtete. Trotzdem war es wichtig, ein gutes öffentliches Bild zu wahren.

„Ich habe im Moment sehr viel zu tun“, erwiderte ich. „Die Umstrukturierung nimmt meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch.“

„Ich verstehe das vollkommen“, sagte sie. „Aber vielleicht ein kurzer Kaffee? Ich bin in Hamburg und könnte schnell vorbeikommen.“

Ihre Beharrlichkeit war beeindruckend. Ich stimmte schließlich einem kurzen Treffen am Nachmittag in der Hotellobby zu. Ich würde vorsichtig sein.

Katja Bauer war eine Frau Mitte Dreißig, mit scharfen Augen und einem aufmerksamen Blick. Sie trug elegante, aber unaufdringliche Kleidung. Ihre Präsenz war professionell und selbstsicher.

„Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, Frau Meyer“, begann sie, als wir an einem kleinen Tisch saßen. Sie legte ein kleines Notizbuch und einen Stift bereit.

Sie stellte zunächst allgemeine Fragen zur Stiftung, zu meinen Zielen, zu den karitativen Projekten. Ich beantwortete sie so präzise wie möglich, ohne ins Detail zu gehen.

Dann änderte sich der Ton. Katja Bauer beugte sich leicht vor.

„Frau Meyer, ich bin ehrlich zu Ihnen. Meine Recherche betrifft nicht nur die Schumann-Stiftung. Ich untersuche seit einiger Zeit eine Reihe von undurchsichtigen Finanzskandalen, die vor vielen Jahren die deutsche Wirtschaft erschüttert haben.“

Mein Herz klopfte schneller. Ich ahnte, wohin das führte.

„Einer dieser Skandale betraf die Investmentfirma ‚Weber & Söhne‘. Sagt Ihnen der Name etwas?“

Ich spürte, wie das Blut aus meinem Gesicht wich. „Jakob Webers Vater“, flüsterte ich.

„Genau“, sagte Katja Bauer, und ihr Blick war nun durchdringend. „Herr Erik Weber, ein brillanter, aber skrupelloser Finanzier. Er wurde nie offiziell verurteilt, aber seine Firma ging bankrott, hinterließ einen Berg von Schulden und zog viele Investoren ins Verderben. Es wurde gemunkelt, dass er Verbindungen zur organisierten Kriminalität hatte, um seine Geschäfte zu finanzieren.“

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