Die Isolierung setzte mir zu. Die Ermittlungen schienen sich im Sand zu verlaufen. Anna Bergmann war eine harte Ermittlerin, aber ohne eine konkrete Spur, die über die oberflächlichen Protokolle hinausging, stagnierte alles. Voss drängte auf Ergebnisse, aber nur solche, die seiner Geschichte passten: ein externer Hack, am besten von einem ausländischen Konkurrenten. Jens war immer noch der Top-Verdächtige, ein unbequemer Bauernopfer, dessen Schicksal an einem seidenen Faden hing.
Ich saß abends zu Hause, erschöpft und frustriert. Klara hatte ihr Abendessen gegessen und saß jetzt wie so oft in ihrem Zimmer, vertieft in ihre Bücher und Zeichnungen. Ich hörte leise Geräusche von ihr, das Rascheln von Papier und das Klicken der Maus an ihrem kleinen Laptop. Ich hatte ihr einen einfachen Laptop für ihre “Datenprojekte” gekauft, nachdem sie so viel Interesse gezeigt hatte.
Ich saß auf der Couch, mein Blick leer auf den Fernseher gerichtet, auf dem die Abendnachrichten liefen. Ein Reporter sprach erneut über den UfaVerse-Skandal. Er zeigte auf dem Bildschirm Fragmente der durchgesickerten Künstlerdaten, die angeblich von einem Whistleblower ins Netz gestellt worden waren. Es waren nur Bruchstücke, unsortierte Tabellen und Zeilen, die für einen Laien völlig bedeutungslos waren.
“Die Daten sind so korrumpiert, dass Experten kaum Muster erkennen können”, sagte der Reporter mit ernster Miene. “Es scheint ein zufälliges Chaos zu sein, ein totaler Datenverlust.”
Ich schnaubte leise. “Zufälliges Chaos.” Ich hatte Tage damit verbracht, dieses “Chaos” zu entziffern. Und es war alles andere als zufällig. Ich wusste, dass es eine Struktur hatte, eine unheilvolle Ordnung. Aber ich konnte sie nicht fassen, nicht beweisen.
Plötzlich hörte ich Schritte. Klara stand in der Wohnzimmertür, ihr Laptop in der Hand. Ihr Gesicht war ernst, ihre Augen leuchteten.
“Mama, schau mal”, sagte sie und trat näher. “Das ist doch nicht zufällig, oder?”
Sie reichte mir den Laptop. Auf dem Bildschirm war eines der Bilder aus dem Nachrichtenbericht, ein Fragment der durchgesickerten Daten. Aber Klara hatte es in ein einfaches Diagramm umgewandelt. Eine Reihe von Punkten, die wild verstreut schienen. Doch dann zeigte sie mit dem Finger auf eine bestimmte Stelle.
“Siehst du das?”, fragte sie. “Die Abweichung hier. Sie ist zu klein, um ein echter Fehler zu sein, aber zu systematisch, um Zufall zu sein.”
Ich beugte mich vor und starrte auf den Bildschirm. Klara zeigte auf eine winzige Abweichung in der Streuung der Datenpunkte. Für das ungeschulte Auge war es nichts. Für mich, die ich unzählige Stunden mit Daten verbrachte, war es ein Flackern, ein kaum wahrnehmbares Zucken.
+ There are no comments
Add yours