Chapter 5: Gewitterfront und offenes Mikro

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Die Luft im Großen Saal der Medien-Awards war stickig und elektrisch geladen, noch bevor das eigentliche Gewitter begann. Ich saß in einer hinteren Reihe, weit weg von den Hauptkameras, mein Babybauch unter einem weiten Kleid verborgen. Ich war nur hier, um zu beobachten. Ben sollte einen undankbaren Ehrenpreis für „herausragendes Schauspiel in einer Nebenrolle“ entgegennehmen, eine Ironie, die mich fast zum Lachen brachte. Er würde alles tun, um sich ins Rampenlicht zu rücken.

Ich sah, wie Ben auf dem roten Teppich posierte, ein strahlendes Lächeln auf den Lippen, Larissa eng an seiner Seite. Sie strahlte in einem aufreizenden Paillettenkleid. Sie gaben Interviews, spielten das glückliche Paar. Ben wirkte selbstzufrieden, unantastbar. Der Zeitungsartikel über meine angebliche Instabilität hatte ihm wohl das Gefühl gegeben, er hätte gewonnen.

Das Saallicht dimmte, und die Show begann. Ich spürte ein leichtes Ziehen in meinem Unterleib, die ständige Erinnerung an meine körperliche Verfassung. Ich nahm einen tiefen Atemzug und versuchte, mich zu entspannen.

Die Verleihung plätscherte dahin. Dann, etwa zur Hälfte der Show, begann es. Ein fernes Donnergrollen rollte über das Dach des Gebäudes. Zuerst kaum hörbar, dann immer lauter. Die Fensterfront des Saals zeigte einen plötzlich aufziehenden, pechschwarzen Himmel. Schwere Regentropfen prasselten gegen das Glas.

Ein Raunen ging durchs Publikum. Die Lichter flackerten kurz, dann stabilisierten sie sich wieder. Nervöses Lachen mischte sich unter die Kommentare. „Technik muss durchhalten!“, rief der Moderator ins Mikrofon.

Genau in diesem Moment wurde Ben für seinen Preis aufgerufen. Er schritt erhobenen Hauptes zur Bühne, ein charmanter, falscher Held. Er nahm die Trophäe entgegen, seine Dankesrede begann mit den üblichen Floskeln.

„Ich möchte mich natürlich bei all meinen Fans bedanken“, sagte Ben, sein Lächeln strahlte. „Und natürlich bei den Menschen, die mich immer unterstützt haben…“

Plötzlich war ein ohrenbetäubender Blitzschlag zu hören, der das gesamte Gebäude erschütterte. Die Lichter im Saal gingen vollständig aus. Ein kollektiver Schrei hallte durch den Raum, gefolgt von völliger Dunkelheit. Panik brach aus. Das Notlicht sprang an, warf lange, unheimliche Schatten.

Inmitten des Chaos und des ohrenbetäubenden Rauschens, das durch die Lautsprecher dröhnte, geschah es.

Ein Knistern, ein Rauschen. Dann eine Stimme. Bens Stimme. Panisch. Überraschend klar durch die Lautsprecher, die eigentlich schweigen sollten.

„Herr Klein! Sind Sie da?“

Die Stimme war lauter, als sie hätte sein dürfen. Vermutlich eine Fehlfunktion des Notfallmikrofons, das durch den Stromstoß aktiviert worden war und nun Ben direkt übertrug. Die Menge verstummte langsam, lauschte verwirrt.

„Hören Sie mir zu, Herr Klein!“, dröhnte Bens Stimme, überlagert vom Rauschen. „Sie müssen es sofort veranlassen! Das Dokument! Eine weitere Fälschung! Dieses Mal das… das große Projekt! Sie wissen schon welches!“

Ein weiteres, leiseres Geräusch war zu hören, das wie ein verschrecktes Stottern klang. Es musste Herr Klein sein.

„Die Frist läuft heute Abend ab! Wenn das nicht durchgeht, ist alles… alles verloren! Meine ganze Karriere! Verstanden?!“

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