Chapter 6: Im Auge des Sturms

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Die letzten Worte des Moderators verhallten ungehört. Ben, immer noch kreidebleich, starrte ins Leere, seine Trophäe klammerte er wie einen Rettungsanker. Er versuchte, unauffällig von der Bühne zu gleiten, während das Publikum in einem Meer aus Tuscheln und verständnislosen Blicken versank. Die Scheinwerfer wurden wieder auf volle Helligkeit gestellt, was die grelle Realität nur noch deutlicher machte.

Ich stand auf, mein Körper schmerzte, aber meine Entschlossenheit gab mir Kraft. Ich musste ihn jetzt konfrontieren. Ihn mit seiner eigenen, öffentlichen Demaskierung konfrontieren. Lukas hatte mich darauf vorbereitet.

Ich bahnte mir einen Weg durch die Menge, die sich langsam auflöste, aber viele Blicke blieben an mir hängen. Ich spürte, wie die Schwerkraft an mir zog, aber ich setzte einen Fuß vor den anderen. Hinter der Bühne war ein hektisches Durcheinander. Techniker rannten umher, der Moderator versuchte, sich bei den Organisatoren zu entschuldigen.

Ben war fast an der Tür zum VIP-Bereich angekommen, als ich ihn erreichte. Larissa, ihre Augen rot und geschwollen, stand neben ihm und versuchte, ihn zum Weitergehen zu drängen. Ihre Fassade war völlig zusammengebrochen. Sie war nicht mehr die strahlende Influencerin, sondern eine verängstigte Frau.

„Ben!“, sagte ich, meine Stimme war ruhig, aber fest.

Er zuckte zusammen, als hätte ich ihn mit einer Nadel gestochen. Er drehte sich langsam um, seine Augen, die zuvor vor Angst geweitet waren, verengten sich nun zu Schlitzen des Hasses, als er mich sah.

„Anja. Was tust du hier?“, zischte er. „Bist du verrückt geworden? Du bist schwanger!“

Larissa versuchte, Bens Arm zu packen und ihn wegzuziehen. „Lass uns gehen, Ben! Das ist alles ein Missverständnis!“

Ich ignorierte sie beide. „Ein Missverständnis?“, fragte ich. „Ich habe gerade gehört, wie du Herrn Klein angewiesen hast, ein wichtiges Dokument zu fälschen. Wieder einmal.“

Ben lachte, ein schrilles, unnatürliches Geräusch. Es war sein nervöses Lachen, das ich so gut kannte, das er immer hervorholte, wenn er sich ertappt fühlte. „Du bist hysterisch, Anja! Die Technik spinnt! Du hast Halluzinationen! Die Schwangerschaft macht dich fertig, das haben wir doch im Artikel gelesen!“

Er versuchte, die Wahrheit mit seinem alten Trick, dem Gaslighting, zu ersticken. Er wollte meine Worte als Produkte einer überarbeiteten, hormonellen Frau abtun. Doch dieses Mal funktionierte es nicht. Ich wusste zu viel. Ich war vorbereitet.

„Es war keine Halluzination, Ben“, sagte ich, meine Stimme war eisig. „Jeder im Saal hat es gehört. Jeder, der die Übertragung gesehen hat.“

Larissa stieß einen kleinen Laut aus, als ob sie die Wahrheit zum ersten Mal zulassen würde. Sie sah zu Boden.

„Du bist krank, Anja“, knurrte Ben. „Du brauchst Hilfe. Du willst nur Rache, weil ich dich verlassen habe. Weil du nicht akzeptieren kannst, dass ich einen Neustart mache.“

Er versuchte, seine Stimme zu senken, um die immer noch umherirrenden Gäste und das Personal nicht zu alarmieren, aber sein Zorn bebte in jedem Wort.

In diesem Moment sah ich Lukas. Er stand unauffällig in der Nähe, tat so, als würde er sich ein Namensschild am Revers richten. Seine Hand huschte unauffällig zu meinem Ohrring. Ein kleines Lämpchen, so winzig, dass es kaum sichtbar war, blinkte für den Bruchteil einer Sekunde auf. Er hatte die Wanze aktiviert.

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