Chapter 6: Der eidesstattliche Blitz

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Thomas’ triumphierendes Lachen über den „wirkungslosen“ Zeitungsartikel hallte in Jonas Bergers Kopf wider.

Es war eine grauenhafte Erinnerung.

Jonas hatte es selbst miterlebt, wie Thomas den kleinen Beitrag in der „Berliner Wochenschau“ zynisch belächelte.

„Ein kleiner Nadelstich, mehr nicht“, hatte Thomas gesagt und Sophie zugenickt, die ebenso arrogant lächelte.

Jonas hatte es nicht mehr ertragen.

Die Worte brannten in ihm.

Die Beweise, die er Lena gegeben hatte, schienen nichts geändert zu haben.

Thomas machte einfach weiter, noch dreister, noch unantastbarer.

Jonas verbrachte schlaflose Nächte.

Sein Gewissen plagte ihn.

Er hatte geglaubt, er hätte das Richtige getan, indem er Lena die Informationen gab.

Aber Thomas’ Macht schien alles zu überdecken.

Er sah, wie Thomas weiterhin Spenden sammelte, wie er öffentliche Auftritte nutzte, um seinen Ruf zu polieren.

Wie er den Vogel-Keller Fonds weiterhin als sein persönliches Vermächtnis darstellte.

Die Fassade war so makellos, dass niemand sie hinterfragen wollte.

Die interne parteiinterne Untersuchung, von der Anwalt Schmidt gesprochen hatte, wäre ein Witz.

Jonas wusste das.

Er kannte die Seilschaften, die Thomas schützten.

Er wusste, wie die Wahrheit vertuscht werden würde.

Ein Wochenende lang zog Jonas sich zurück.

Er schaltete sein Handy aus, ignorierte Anrufe von Thomas’ Büro.

Er dachte über alles nach.

Über seine eigenen Ideale, die er in der Politik hatte verwirklichen wollen.

Über die Enttäuschung, die Thomas in ihm ausgelöst hatte.

Über Lena, die er in diesem abgelegenen Anwesen wusste, isoliert und mundtot gemacht.

Und dann kam ihm eine Idee.

Nicht Lenas Anwalt.

Jemand, der direkt an die Öffentlichkeit ging.

Jemand, der keine Angst hatte vor Thomas’ Macht.

Jonas erinnerte sich an eine Rede, die er vor Jahren gehört hatte.

Clara Richter.

Eine preisgekrönte Investigativjournalistin, bekannt für ihre Unerschrockenheit und ihre kompromisslose Suche nach der Wahrheit.

Sie arbeitete für eines der größten unabhängigen Nachrichtenmagazine des Landes.

Das Risiko war enorm.

Seine Karriere würde beendet sein.

Er könnte sogar selbst juristisch belangt werden.

Aber er konnte nicht länger schweigen.

Er musste es tun.

Für Lena.

Für Elias.

Für seine eigene Seele.

Am Montagabend, nachdem er sichergestellt hatte, dass Thomas im Reichstag war und Sophie in einem anderen Termin steckte, schickte Jonas eine verschlüsselte E-Mail an Clara Richter.

Er hielt sie kurz, knapp.

„Ich habe Informationen über Thomas Keller und den Vogel-Keller Fonds. Beweise für massive Korruption. Ich bin bereit, eidesstattlich auszusagen.“

Er nannte seinen Namen.

Die Antwort kam schneller, als er erwartet hatte.

Ein kurzer Anruf von einer unbekannten Nummer.

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