Nach der Begegnung mit Herrn Lorenz war mein Entschluss gefasst. Ich musste Jakob treffen. Nicht, um ihn zu retten, sondern um die Wahrheit zu hören und die letzte, grausame Phase unserer Geschichte zu beenden. Ich arrangierte ein Treffen über einen neutralen Kontakt, den Dr. Krumm mir diskret vermittelt hatte – einen Anwaltsgehilfen, der anonym Jakobs Anwalt kontaktierte.
Das Büro war klein, unscheinbar, in einem der vielen alten Gebäude der Hamburger Innenstadt. Kein Fenster mit Aussicht, nur eine Holztür und eine spärliche Einrichtung. Neutral. Privat.
Als Jakob hereinkam, war er nicht der glänzende, selbstbewusste Mann, den ich kannte. Seine Anzüge waren zerknittert, seine Haare strähnig. Seine Augen waren rot unterlaufen, als hätte er seit Tagen nicht geschlafen.
„Luisa“, sagte er, seine Stimme war heiser. Er versuchte, auf mich zuzugehen, aber ich hob eine Hand.
„Bleib, wo du bist, Jakob“, sagte ich, meine Stimme war fest, überraschend fest. „Wir reden. Das ist alles.“
Er zögerte, sank dann auf einen der Besucherstühle. Seine Haltung war gebeugt.
„Ich kann das alles erklären“, begann er sofort, seine Worte überschlugen sich. „Ich liebe dich, Luisa. Es war alles ein Missverständnis. Ich war verzweifelt. Diese Stiftungssache… ich wollte nur helfen.“
„Helfen?“, fragte ich, und ein bitteres Lächeln spielte auf meinen Lippen. „Indem du Vollmachten fälschst? Indem du mein ganzes Erbe unter deine Kontrolle bringen willst? Indem du mich betrügst, während du mir ewige Liebe schwörst?“
Er zuckte zusammen. „Ich… ich war in einer ausweglosen Lage. Meine Familie. Die Schulden meines Vaters. Ich hatte keine Wahl.“
„Du hattest immer eine Wahl, Jakob“, erwiderte ich. „Du hättest mir vertrauen können. Du hättest ehrlich sein können.“
Ich legte die gefälschten Dokumente auf den Tisch, die ich in einer sicheren Mappe mitgebracht hatte. Ich schob sie zu ihm hinüber.
„Das hier ist mein Beweis. Ich habe sie gefunden. Alle. Deine Unterschrift, meine gefälschte Unterschrift.“
Jakobs Blick fiel auf die Papiere. Sein Gesicht wurde kreidebleich. Der Versuch, sich zu verteidigen, schwand aus seinen Augen.
„Dr. Krumm hat mir auch von der Klausel erzählt“, fuhr ich fort, und ich sah, wie seine Schultern noch mehr zusammensackten. „Jede Manipulation, jeder Versuch, mich zu beeinflussen, hätte dazu geführt, dass das Erbe an karitative Zwecke gegangen wäre. Dein Plan war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“
Er hob den Kopf. „Die Klausel? Davon wusste ich nichts! Ich schwöre es!“ Seine Stimme war ein verzweifeltes Krächzen. „Hätte ich davon gewusst, hätte ich es nie so versucht.“
„Das glaube ich dir“, sagte ich. „Aber es ändert nichts. Katja Bauer hat mich kontaktiert. Ich weiß von deinem Vater. Von den Schulden. Von Herrn Lorenz.“
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