Chapter 6: Ein Freund in der Not

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Die aufgehende Sonne warf lange Schatten über die stillen Straßen Münchens, als ich mich auf den Weg machte. Ich hatte Max Becker, meinen langjährigen Freund und Anwalt, gebeten, mich in einem diskreten Café in der Innenstadt zu treffen.

Die Luft war kühl und klar, aber meine Gedanken waren ein einziges Gewirr. Ich trug eine unscheinbare Aktentasche, die nicht nur die Aufzeichnung des Gesprächs, sondern auch die wiederhergestellten Textnachrichten und die Dokumente von „Richter & Söhne Immobilien“ enthielt.

Max saß bereits an einem Tisch im hintersten Winkel des Cafés, ein Stapel Gesetzesbücher neben sich. Er nickte mir zu, seine Miene war ernst.

„Elias, du siehst blass aus“, sagte er, als ich mich ihm gegenübersetzte.

Er schob mir eine Tasse dampfenden Kaffee zu.

„Die letzten Wochen waren anstrengend“, erwiderte ich, meine Stimme klang rauer, als ich es beabsichtigt hatte.

Ich nahm einen Schluck des heißen Getränks, das mich leicht belebte. Max kannte meine Familie gut, hatte uns oft bei rechtlichen Angelegenheiten unterstützt, die jedoch nie persönlich wurden.

Er war immer loyal gewesen, ein Fels in der Brandung. Ich legte die Aktentasche auf den Boden.

„Ich habe Dinge entdeckt, Max“, begann ich. „Dinge, die alles verändern.“

Ich holte mein Smartphone hervor und legte es auf den Tisch.

„Zuerst das hier.“

Ich spielte ihm die Aufzeichnung des Gesprächs vor. Der Ton war klar: die Stimmen meines Vaters, meiner Mutter, meiner Schwester, die über Lenas Demütigung und Leos Misshandlung sprachen.

Und dann der Plan, Lena öffentlich als mental instabil darzustellen. Max’ Gesicht wurde mit jedem Satz ernster.

Seine Augen verengten sich, seine Lippen pressten sich zusammen. Ich sah, wie sich seine Hände auf dem Tisch zu Fäusten ballten.

Als die Aufnahme endete, herrschte eine bedrückende Stille. Das leise Klirren von Tassen und das Gemurmel anderer Gäste schien in diesem Moment unwirklich.

„Das ist… unglaublich, Elias“, sagte Max schließlich, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Sein Blick war voller Abscheu.

„Ich wusste, dass dein Vater ein harter Geschäftsmann sein kann, aber das… das ist abscheulich.“

Ich schob ihm die Textnachrichten und die Dokumente von „Richter & Söhne Immobilien“ über den Tisch.

„Und das ist noch nicht alles“, sagte ich. „Diese Nachrichten beweisen, dass Bettina von meinem Vater wusste, wie er die Steuerbehörden betrügt. Und die alte Firma war Teil dieses Musters.“

Max nahm die Papiere in die Hand, seine Augen huschten über die Zeilen. Er las die Nachricht von Bettina, seine Brauen zogen sich zusammen.

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