Der Gerichtssaal war an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Luft knisterte vor Erwartung.
Familienangehörige, Journalisten, Neugierige – alle waren gekommen, um das Schicksal der fünf Waisenkinder und das unserer Ehe zu verfolgen.
Richterin Eva Müller saß unparteiisch und ernst auf ihrem hohen Stuhl.
Ihre Augen ruhten kurz auf mir, dann auf Johanna, die blass und angespannt neben ihrem Anwalt saß.
Ich saß neben Dr. Brandt, der einen Stapel Ausdrucke vor sich auf den Tisch gelegt hatte.
Mein Herz pochte.
Staatsanwältin Clara Weiss begann ihre Ausführungen.
Ihre Stimme war scharf und prägnant.
Sie sprach von der „besorgniserregenden finanziellen Situation“ von Elias Richter, von den „unerklärlichen Abzügen“ von seinem Konto.
Mein Blick traf Johanna, die ihren Anwalt ansah und leicht die Schultern zuckte, als ob sie von nichts wüsste.
Dann präsentierte Staatsanwältin Weiss die psychologischen Gutachten.
„Herr Richter zeigt Anzeichen einer gestörten Realitätswahrnehmung“, sagte sie, ihre Stimme war voller Überzeugung.
„Die Gutachter sprechen von ‚Wahnvorstellungen‘, die sich auf das Anwesen beziehen.“
Ein Raunen ging durch den Saal.
Dann legte sie die „Beweisfotos“ von Herrn Gruber vor.
Bilder von mir, wie ich im Garten stand und mit erhobener Hand zu einem leeren Fenster sprach.
Bilder von mir in der Bibliothek, das Tagebuch in der Hand, meine Lippen formten Worte.
Bilder von mir, wie ich auf eine plötzliche Kälte im Treppenhaus reagierte, mein Blick suchend in die Leere.
Ich spürte, wie sich mein Gesicht mit Hitze füllte, nicht vor Schuld, sondern vor Scham und Wut.
Es war alles so verzerrt dargestellt.
Dr. Brandt versuchte einzugreifen.
„Euer Ehren, diese Fotos sind aus dem Kontext gerissen und manipuliert!“, rief er.
Richterin Müller hob die Hand.
„Bitte warten Sie ab, Herr Dr. Brandt. Die Staatsanwältin hat das Wort.“
Die Staatsanwältin fuhr fort, meine Eignung als Adoptivvater systematisch zu zerstören.
„Angesichts dieser Beweise scheint Herr Richter nicht in der Lage zu sein, ein stabiles und sicheres Umfeld für die Kinder zu bieten“, schloss sie.
„Ich empfehle die endgültige Ablehnung des Adoptionsantrags.“
Ein weiteres Raunen ging durch den Saal.
Johanna blickte triumphierend zu mir herüber, ein kaum merkliches Lächeln auf ihren Lippen.
In diesem Moment wurde Lena Schmidt als Zeugin aufgerufen.
Ich sah sie zum ersten Mal seit dem Café wieder.
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