Der IT-Spezialist tippte konzentriert, seine Finger tanzten über die Tastatur.
Dr. Brandt und ich standen schweigend hinter ihm, unsere Blicke gebannt auf den Bildschirm gerichtet.
Minuten verstrichen, die sich wie Stunden anfühlten.
Endlich, mit einem leisen Piepen, öffnete sich ein Ordner auf dem Bildschirm.
„Projekt Phönix“, murmelte der Spezialist.
„Da haben wir’s.“
Mein Atem stockte.
Der Ordner enthielt eine Vielzahl von Dateien: E-Mails, Dokumente, sogar ein paar Fotos.
Dr. Brandt klickte auf die erste E-Mail.
Sie war von Johanna an Herrn Gruber, den Privatdetektiv.
Die Betreffzeile lautete: „Bericht zur Beobachtung – Elias Richter“.
Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.
Die E-Mails waren eine detaillierte Korrespondenz zwischen Johanna und Gruber.
Sie beschrieben seine Beobachtungen, seine manipulierten Fotos, meine Reaktionen auf die unerklärlichen Vorkommnisse im Haus.
„Elias spricht mit sich selbst, Herr Gruber. Betonen Sie das. Betonen Sie, wie er auf die Kälte reagiert, auf die Geräusche. Lassen Sie es so aussehen, als würde er Wahnvorstellungen haben“, las Dr. Brandt laut vor, seine Stimme war kühl und wütend.
Ich sah die Fotos, die Gruber gemacht hatte.
Ich, wie ich zu einem leeren Fenster sprach.
Ich, wie ich auf die Kälte im Treppenhaus reagierte.
Ich, wie ich spät in der Nacht auf und ab ging, meine Lippen formten Worte, während ich mit mir selbst rang.
Es waren die Momente, in denen ich mich am verletzlichsten gefühlt hatte, und Johanna hatte sie gnadenlos ausgenutzt.
„Sie beauftragte ihn auch, ein psychologisches Gutachten in Auftrag zu geben“, sagte Dr. Brandt, sein Finger fuhr über den Bildschirm.
„Basierend auf diesen ‚Beweisen‘. Um Sie als unzurechnungsfähig darzustellen.“
Ich konnte es kaum fassen.
Meine eigene Frau.
Sie wollte mich für verrückt erklären lassen.
Wir fanden weitere E-Mails, die Johannas Finanzmanipulationen offenbarten.
Detail für Detail.
Überweisungen auf Offshore-Konten, gefälschte Rechnungen für „dringende, aber gescheiterte Investitionen“.
Die 35.000 Euro, die verschwunden waren – es war alles akribisch geplant und ausgeführt.
„Sie hat das Adoptionsbudget gezielt gekürzt, um die Renovierung zu sabotieren“, sagte Dr. Brandt, seine Stimme klang vor Wut belegt.
„Und um Ihre Anwaltskosten zu untergraben.“
Die schockierendste Entdeckung kam in einer E-Mail mit dem Betreff: „Die ‚Geistergeschichten‘ nutzen“.
Johanna hatte detaillierte Anweisungen an Gruber geschickt, wie er die übernatürlichen Vorkommnisse im Haus nutzen sollte, um meine psychische Instabilität zu untermauern.
„Gruber, das Ziel ist es, Richter als instabil darzustellen. Betonen Sie die Vorkommnisse im Haus. Sorgen Sie dafür, dass der Gutachter die ‚Geistergeschichten‘ als Wahnvorstellungen interpretiert, damit wir ihn als ungeeignet für die Adoption darstellen können.“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
Sie wusste von den „Geistergeschichten“.
Sie nutzte sie bewusst.
Die Worte des Tagebuchs der Familie Mertens hallten in meinem Kopf wider.
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