Chapter 8: Drei Tage später: Das leise Echo

#content-1

Drei Tage später kehrte ich in die leere Garderobe der Awards-Show zurück. Sie roch muffig und nach abgestandenem Parfüm, ein krasser Kontrast zur glitzernden Atmosphäre der Verleihung. Ich war hier, um die letzten persönlichen Gegenstände einzupacken, die ich in der Eile des Ausbruchs zurückgelassen hatte. Mein Rücken schmerzte immer noch, aber die Aufregung der letzten Tage wich nun einer tiefen, fast erschöpfenden Ruhe.

Ich fand meine kleine Kosmetiktasche und eine vergessene Halskette. Ich legte sie behutsam in meine Tasche. Der Raum war still, die Geräusche der Stadt drangen kaum durch die dicken Wände.

Mein Handy klingelte. Es war Frau Dr. Schmidt.

„Guten Morgen, Anja“, sagte sie, ihre Stimme war gewohnt prägnant. „Herr Lehmann hat ein offizielles Statement veröffentlicht. Eine halbherzige Entschuldigung für seine ‚Fehler‘ und ‚Missverständnisse‘, wie er es nennt.“

Ich atmete schwer aus. „Hat Larissa ihn verlassen?“

„Natürlich“, erwiderte Frau Dr. Schmidt trocken. „Sie wurde gestern mit gepackten Koffern an Bens Villa gesehen. Ihre PR-Agentur hat bereits alle Verbindungen gekappt.“

Ein bitteres Lächeln huschte über mein Gesicht. Larissa hatte Ben nur für seinen Ruhm geliebt. Ohne ihn war er für sie nutzlos.

„Und das Audit?“, fragte ich.

„Läuft auf Hochtouren. Die Behörden sind sehr interessiert. Es sieht nicht gut aus für Herrn Lehmann“, bestätigte sie. „Das Filmprojekt wurde gerettet, dank Ihrer frühzeitigen Sicherung der Gelder und Lukas’ Beweise. Die Produzenten sind Ihnen zu Dank verpflichtet.“

„Ich habe ihnen gesagt, sie sollen es nicht öffentlich machen“, sagte ich.

„Ich weiß“, sagte sie, ein leichter Hauch von Verwirrung in ihrer Stimme. „Es würde Ihnen viel Goodwill einbringen, Anja. Die Öffentlichkeit sieht Sie jetzt als… nun ja, als die Ehefrau, die ihren Mann öffentlich stürzt.“

Ich nickte. Das war der bittere Preis meines Sieges. Die Medien hatten mich als die „eiskalte Rächerin“ oder die „nervöse Ex“ stilisiert. Meine Brillanz als Publicistin, meine Integrität, die Rettung des Filmprojekts – all das ging im Lärm des Skandals unter.

„Manchmal ist es besser, im Hintergrund zu bleiben“, sagte ich. „Ich bin keine Person für die Schlagzeilen.“

„Wie Sie wünschen“, sagte Frau Dr. Schmidt. „Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Sie vielen Menschen das Genick gerettet haben.“

Nach dem Anruf ging ich zu meinem alten Büro in der Agentur. Es war schon fast leergeräumt. Meine persönlichen Sachen hatte ich bereits in den letzten Tagen geholt. Ich ging zum Fenster, blickte auf die belebte Straße hinunter. Früher war das mein Reich gewesen, der Ort, an dem ich Karrieren geformt und Geschichten erzählt hatte.

Auf dem Schreibtisch lag nur noch ein kleines, ledergebundenes Notizbuch. Das Notizbuch, in das ich Ideen für mein ungeborenes Kind geschrieben hatte. Namen, kleine Gedichte, Hoffnungen. Ich hob es auf, strich über den weichen Einband. Das war das Wichtigste, was ich aus dieser Zeit mitnehmen würde. Das Versprechen einer neuen Zukunft.

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours