Der wiederhergestellte Livestream der Awards-Show lief nur wenige Minuten, als ein plötzlich auftretender Schnittfehler die Übertragung für einen Moment unterbrach. Das Fernsehbild flackerte, wurde von statischem Rauschen unterbrochen, bevor es auf eine ungewöhnliche, raue Tonspur umschaltete. Ein gemurmelter Dialog, undeutlich zunächst, dann erschreckend klar. Es war die Aufzeichnung von Lukas’ Ohrring-Wanze.
Die Stimmen füllten den Saal, der gerade dabei war, sich wieder zu beruhigen. Es war Ben, seine Stimme bebte vor Panik, und im Hintergrund war das stotternde Echo von Herrn Klein zu hören.
„Wir müssen weg, Larissa!“, dröhnte Bens panisches Geflüster durch die Lautsprecher. „Die wissen Bescheid! Das Investmentprojekt fliegt auf! Wir müssen unser Geld sichern und verschwinden!“
Dann kam Kleins Stimme, von Angst verzerrt: „Ich kann nicht, Herr Lehmann! Die Ermittlungen… sie sind überall! Und diese eine Fälschung… Die für das große Projekt! Die mit Ihrer Unterschrift! Das ist zu viel!“
Ein kollektives Keuchen ging durch den Saal. Kameras schwenkten wild. Der Kameramann im Ü-Wagen schien gelähmt, unfähig, die peinliche Übertragung zu stoppen. Jeder hörte es. Bens Fluchtpläne. Die Verwicklung des Notars. Die spezifische Nennung „dieser einen Fälschung“ mit seiner Unterschrift.
Ben, der sich gerade in den VIP-Bereich flüchten wollte, erstarrte. Sein Gesicht war ein einziger Ausdruck des Horrors. Er wusste, dass er nicht nur gehört, sondern auch aufgezeichnet worden war. Larissa, die ihm nur wenige Schritte gefolgt war, stieß einen entsetzten Schrei aus. Tränen strömten ihr über das Gesicht, ihre sorgfältige Schminke zerlief. Sie sah Ben an, als wäre er ein Fremder, ein Monster.
„Das ist… das ist doch…“, stammelte Ben, seine Augen flackerten, unfähig, jemanden im Publikum anzusehen. Er wich vor den blitzenden Kameras zurück, die ihn nun gnadenlos ins Visier nahmen. „Das ist alles nur ein Missverständnis! Eine Verschwörung!“
Die Menge war entsetzt. Man hörte empörte Rufe, wütendes Tuscheln. Die sorgfältig aufgebaute Fassade des Stars Ben Lehmann brach endgültig zusammen. Er stolperte, versuchte, sich durch eine Notausgangstür zu drängen, aber eine Menschenmenge versperrte ihm den Weg. Reporter stürmten auf ihn zu, Mikrofone reckten sich ihm entgegen.
„Herr Lehmann, ist das eine Fälschung? Wer ist Herr Klein?“, rief jemand.
„Haben Sie versucht, sich mit gestohlenem Geld abzusetzen?“, fragte ein anderer.
Ben wich zurück, seine Hände vor dem Gesicht. Er versuchte, etwas zu rufen, aber seine Stimme war nur ein Stottern, dann ein hilfloses Wimmern.
In diesem Moment trat Frau Dr. Schmidt mit einer unerschütterlichen Ruhe vor die Kameras. Sie war nicht gestylt, nicht Teil des Glamours. Sie war die kalte, harte Realität.
„Meine Klientin, Frau Anja Weber, hat vor wenigen Tagen ein Dokument unterschrieben, das ihr Ehemann ihr unter erheblichem Druck und in einem Moment ihrer größten körperlichen und emotionalen Belastung vorgelegt hat“, begann Frau Dr. Schmidt, ihre Stimme klar und deutlich. Die Kameras schwenkten auf sie.
Ich stand ein paar Schritte hinter ihr, mein Blick fest und meine Haltung aufrecht, obwohl meine Knie zitterten. Die Aufmerksamkeit der Welt richtete sich nun auf uns.
+ There are no comments
Add yours