Werner Voss demütigte Ayla Brandt vor der politischen Elite Berlins – doch ihr Schweigen verbarg ein Geheimnis, das er fürchtete
Die Tage vor Katjas geplanter Pressekonferenz waren von einer unerträglichen Spannung erfüllt. Im Rathaus zirkulierten Gerüchte wie Lauffeuer. Man sprach von einer bevorstehenden Enthüllung, von einem Skandal, der die Stadtverwaltung erschüttern könnte. Die Namen von hochrangigen Beamten wurden geflüstert, und ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit breitete sich aus.
Dr. Werner Voss wirkte sichtlich nervös. Seine makellose Fassade zeigte Risse. Er verbrachte Stunden in seinem Büro, seine Tür war oft geschlossen, und seine Sekretärin wies alle Anfragen ab. Ich sah, wie er immer wieder sein Telefon checkte, wie sein Blick hastig über die Titelseiten der Zeitungen huschte, als würde er nach Anzeichen suchen.
Er versuchte, Informationen abzufangen, seine Verbindungen zu aktivieren. Ich hörte, wie er in leisen, eindringlichen Tönen mit jemandem am Telefon sprach, seine Stimme war gepresst. Er spürte, dass sich die Schlinge um ihn zuzog.
Ich selbst versuchte, so unauffällig wie möglich zu sein. Ich hielt mich an meine Routine, vermied Blickkontakt, konzentrierte mich auf meine täglichen Aufgaben. Doch mein Inneres war ein brodelnder Kessel aus Angst und Entschlossenheit. Die Frist für meine Versetzung hatte ich ignoriert, und Voss hatte sich nicht mehr dazu geäußert. Ein weiteres Zeichen seiner Anspannung.
Am Vortag der Pressekonferenz klingelte mein Telefon. Es war wieder Voss’ Sekretärin, ihre Stimme klang ungewöhnlich steif. „Herr Staatssekretär möchte Sie umgehend in seinem Büro sprechen, Frau Brandt.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Es war wie in den schlechtesten Thrillern. Er wusste etwas, oder er ahnte etwas. Ich spürte, wie das Adrenalin durch meine Adern rauschte. Dies war die letzte Konfrontation vor dem Sturm.
Ich stand auf, meine Hände waren feucht. Ich zog meine Jacke zurecht, versuchte, mir eine Maske der Ruhe aufzusetzen. Mein Puls hämmerte in meinen Ohren. Ich wusste, dass ich jetzt besonders vorsichtig sein musste.
Als ich sein Büro betrat, saß Voss nicht hinter seinem Schreibtisch. Er stand am Fenster, den Rücken zu mir gewandt, seine Hände waren hinter seinem Rücken verschränkt. Die Skyline von Berlin breitete sich vor ihm aus, unberührt von dem Drama, das sich in diesen Wänden abspielte.
„Frau Brandt“, sagte er, seine Stimme war ungewöhnlich leise, fast sanft. „Kommen Sie herein. Schließen Sie die Tür.“
Ich schloss die Tür hinter mir und blieb in der Mitte des Raumes stehen. Ich spürte seinen Blick auf meinem Rücken, seine lauernde Präsenz. Die Stille im Raum war erdrückend.
Voss drehte sich langsam um. Sein Gesicht war blass, seine Augen waren tiefliegender als sonst, aber sein Blick war immer noch scharf und durchdringend. Er sah mich lange an, als würde er versuchen, meine Gedanken zu lesen.
„Es gibt Gerüchte“, begann er, seine Stimme war eine Nuance härter als zuvor. „Gerüchte über Informationen, die an die Presse durchsickern sollen.“
Ich schwieg. Meine Miene war ausdruckslos. Ich wusste, dass jedes Wort, das ich sagte, gegen mich verwendet werden könnte.
„Ich weiß, dass Sie in den letzten Wochen unzufrieden waren“, fuhr er fort, seine Stimme wurde wieder weicher, fast schmeichelnd. „Ich weiß, dass Sie sich nicht angemessen behandelt gefühlt haben.“
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