Chapter 8: Ein neugieriger Blick

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Werner Voss demütigte Ayla Brandt vor der politischen Elite Berlins – doch ihr Schweigen verbarg ein Geheimnis, das er fürchtete

Chapter 1: Die unpassende Referentin

Chapter 2: Die Schuld des anderen

Chapter 3: Flüstern in den Gängen

Chapter 4: Ein Abend mit Lena

Chapter 5: Ein Schatten von Ungereimtheiten

Chapter 6: Das Muster der Macht

Chapter 7: Eine vergangene Wunde

Chapter 8: Ein neugieriger Blick

Chapter 9: Der letzte Stoß

Chapter 10: Ein unscheinbarer Ordner

Chapter 11: Beckers Geständnis

Chapter 12: Die Wahrheit im Schatten

Chapter 13: Die Koalition der Gerechten

Chapter 14: Die Falle zuschnappen lassen

Chapter 15: Vor dem Sturm

Chapter 16: Die öffentliche Abrechnung

Chapter 17: Der Fall des Staatssekretärs

Chapter 18: Die leere Konfrontation

Chapter 19: Der nächste Geburtstag

Trotz der aufwühlenden Erkenntnisse der letzten Tage musste das politische Leben weitergehen. Eine Podiumsdiskussion im Rathaus, organisiert vom Pressereferat, stand an, und meine Anwesenheit war trotz meiner Isolation verpflichtend. Dr. Voss würde erneut als wichtiger Redner auftreten, und ich sollte als Teil des Teams in der ersten Reihe sitzen, um Notizen zu machen.

Es war eine weitere dieser Inszenierungen, bei der Voss seine glänzende Fassade präsentierte. Ich nahm meinen Platz ein, mein Notizblock aufgeschlagen, doch meine Gedanken waren weit entfernt von den politischen Floskeln, die bald über die Bühne hallen würden. Ich spürte nur die kalte Wut in meinem Magen.

Der Saal füllte sich langsam mit Pressevertretern, Studenten und anderen Interessierten. Mein Blick schweifte durch die Reihen, musterte die bekannten Gesichter der Berliner Medienlandschaft. Ich suchte nach dem Anschein von Empathie, fand aber nur professionelle Distanz.

Dann fiel mein Blick auf eine Frau, die in der dritten Reihe saß, einen Notizblock in der Hand und einen kritischen Ausdruck im Gesicht. Sie hatte dunkle, lockige Haare und durchdringende Augen, die wachsam den Raum musterten. Sie war Katja Richter, die Journalistin vom „Berliner Kurier“. Ich erinnerte mich an ihren Namen von einigen investigativen Artikeln, die ich gelesen hatte.

Sie sah konzentriert aus, fast verbissen. Ihr Blick schweifte über die Bühne, dann zu Voss, und dann blieb er kurz auf mir hängen. Für einen winzigen Moment trafen sich unsere Augen.

Ich spürte eine plötzliche, unerklärliche Verbindung zu ihr. Ihre Miene spiegelte eine ähnliche Skepsis wider, die ich selbst empfand. Es war ein flüchtiger Moment, doch er war intensiv. Sie schien meine angespannte Haltung, meine innere Unruhe, zu bemerken.

Katja hob leicht eine Augenbraue, ein fast unmerkliches Zeichen der Neugierde. Es war, als würde sie fragen: „Was ist mit Ihnen los?“ In diesem Moment ahnte sie noch nicht, dass wir beide auf derselben Fährte waren. Sie wienkte nicht, nickte nicht. Es war eine reine, professionelle Beobachtung.

Ich wandte meinen Blick schnell ab, mein Herz pochte schneller. Ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen, wollte nicht auffallen. Meine Rolle war es, unauffällig zu sein, ein Geist in diesem Raum. Doch der Blick hatte mich getroffen, hatte etwas in mir ausgelöst.

Während Voss seine Rede hielt, merkte ich, wie Katja immer wieder Notizen machte, wie ihr Blick zwischen Voss und ihren Unterlagen hin und her huschte. Es schien, als würde sie seine Worte genau prüfen, sie auf ihre Richtigkeit hinterfragen. Ich spürte, dass sie etwas suchte, etwas unter der Oberfläche.

Ich fragte mich, woran sie arbeitete, welche Geschichte sie verfolgte. Könnte es etwas mit Voss zu tun haben? Die Möglichkeit blitzte in meinem Kopf auf, so schnell, wie sie wieder verschwand. Es schien zu unwahrscheinlich, zu zufällig. Ich ahnte die Verbindung noch nicht vollständig.

Doch der Name Notar Becker, der in Voss’ E-Mails auftauchte, war mir in den Sinn gekommen, als ich Katja beobachtete. Was, wenn dieser Notar eine Rolle in Katjas Recherche spielte? Was, wenn sie auf dieselbe Art von undurchsichtigen Geschäften gestoßen war, die ich in Voss’ E-Mails gesehen hatte?

Ich versuchte, ruhig zu bleiben, meine Gedanken zu ordnen. Es war ein Wunschdenken, eine kühne Spekulation. Doch der Gedanke ließ mich nicht los. Die Art, wie Katja Voss musterte, wie sie seine Worte sezierte, sprach Bände.

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