Chapter 2: Die Schuld des anderen

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Werner Voss demütigte Ayla Brandt vor der politischen Elite Berlins – doch ihr Schweigen verbarg ein Geheimnis, das er fürchtete

Chapter 1: Die unpassende Referentin

Chapter 2: Die Schuld des anderen

Chapter 3: Flüstern in den Gängen

Chapter 4: Ein Abend mit Lena

Chapter 5: Ein Schatten von Ungereimtheiten

Chapter 6: Das Muster der Macht

Chapter 7: Eine vergangene Wunde

Chapter 8: Ein neugieriger Blick

Chapter 9: Der letzte Stoß

Chapter 10: Ein unscheinbarer Ordner

Chapter 11: Beckers Geständnis

Chapter 12: Die Wahrheit im Schatten

Chapter 13: Die Koalition der Gerechten

Chapter 14: Die Falle zuschnappen lassen

Chapter 15: Vor dem Sturm

Chapter 16: Die öffentliche Abrechnung

Chapter 17: Der Fall des Staatssekretärs

Chapter 18: Die leere Konfrontation

Chapter 19: Der nächste Geburtstag

Ich spürte die eiskalte Luft des Sitzungssaals, bevor ich überhaupt die Tür öffnete. Jeder Blick, jedes verstohlene Flüstern in den letzten drei Wochen hatte meine Ankunft in solchen Räumen zu einer Prüfung gemacht. Ich schob die schwere Holztür auf und sah, wie die Köpfe an der langen Tafel sich mir zuneigten, nur um dann schnell wieder abgewandt zu werden.

Dr. Voss saß am Kopf des Tisches, seine Miene wie immer undurchdringlich, doch ein flüchtiges Zucken in seinen Mundwinkeln verriet mir die Vorfreude. Sven Petersen, mein Kollege und ein Liebling von Voss, saß ihm gegenüber und vermied meinen Blick. Die übrigen Mitglieder des Ausschusses für öffentliche Mittel blickten entweder in ihre Unterlagen oder auf ihre Bildschirme, als wäre ich unsichtbar geworden.

Ich nahm meinen Platz am Ende des Tisches ein, ein Notizblock und ein Stift vor mir, bereit, jede meiner Bewegungen sorgfältig abzuwägen. Das Thema des Tages war die Vergabe von Geldern für das neue Stadtentwicklungsprojekt „Grüne Oasen“. Es war ein Prestigeprojekt, das in der Abteilung seit Monaten diskutiert wurde, und ich hatte an der Vorbereitung maßgeblich mitgewirkt.

Die ersten Tagesordnungspunkte wurden zügig abgehandelt, routiniert, fast gelangweilt. Dr. Voss führte die Diskussion mit seiner gewohnten Souveränität, die er so gern zur Schau stellte. Er sprach über Transparenz und Effizienz, Worte, die in diesem Raum oft eine leere Hülle bildeten. Ich hörte zu, versuchte, meine Gedanken zu ordnen, doch eine innere Unruhe nagte an mir.

Dann kam der Punkt „Vergabe Grünes Oasen – Phase 2“. Dr. Voss räusperte sich leicht und sah in die Runde.

„Kollegen“, begann er mit sanfter, doch bestimmter Stimme, „wir müssen heute eine wichtige Entscheidung über die Finanzierung der zweiten Phase treffen.“

Er machte eine kurze Pause und sein Blick streifte kurz über Sven, bevor er an mir vorbeiglitt.

„Allerdings“, fuhr er fort, seine Stimme wurde eine Nuance schärfer, „fehlen uns noch entscheidende Unterlagen zur Kostenanalyse von Bauabschnitt C.“

Ein Raunen ging durch die Runde, leise und kaum hörbar, doch ich spürte es. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich hatte diese Unterlagen nie erhalten, geschweige denn bearbeitet. Sie lagen nicht in meinem Verantwortungsbereich.

Dr. Voss’ Augen verengten sich minimal. „Frau Brandt, Sie waren für die Zusammenstellung der Gesamtdokumentation zuständig, nicht wahr?“

Ich sah ihn an, die Worte blieben mir im Hals stecken. Die Gesamtdokumentation hatte ich nur koordiniert, die Unterlagen für Bauabschnitt C sollten direkt von Svens Team kommen, wie in unserer letzten Besprechung besprochen. Sven hatte dies selbst zugesichert.

Sven Petersen räusperte sich nun ebenfalls, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Er legte seine Hände auf den Tisch, als müsste er sich abstützen, und blickte dann bedauernd zu mir herüber.

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