Werner Voss demütigte Ayla Brandt vor der politischen Elite Berlins – doch ihr Schweigen verbarg ein Geheimnis, das er fürchtete
Die Tage nach der Podiumsdiskussion vergingen, ohne dass ich einen Weg fand, mit Katja Richter in Kontakt zu treten. Ich verfolgte ihre Artikel im „Berliner Kurier“, suchte nach jedem Hinweis, der ihre Arbeit mit Notar Becker in Verbindung bringen könnte, aber ich fand nichts Konkretes. Meine Isolation im Rathaus wurde derweil nur noch stärker.
Wichtige E-Mails wurden mit dem Vermerk „Nur zur Kenntnisnahme, keine Aktion erforderlich“ an mich gesendet. Meine Expertise wurde bei Projektbesprechungen ignoriert, meine Beiträge abgetan. Sven Petersen und seine Verbündeten lachten lauter in den Fluren, und ihre Blicke waren triumphierend, wenn sie mich sahen.
Ich spürte, wie der Druck zunahm, wie Voss und sein Team versuchten, mich endgültig zu brechen. Die Atmosphäre im Büro war vergiftet, und ich fühlte mich wie eine Zielscheibe, auf die alle Augen gerichtet waren. Jeder Schritt, den ich tat, wurde beäugt, jedes Wort, das ich sagte, analysiert.
Eines Nachmittags klingelte mein Telefon. Es war Voss’ Sekretärin. „Herr Staatssekretär möchte Sie um 16 Uhr in seinem Büro sprechen, Frau Brandt. Ohne Termin.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ein Gespräch ohne Termin, ohne Vorbereitung – das war kein gutes Zeichen. Es war ein Zeichen der Macht, der Überraschungstaktik. Ich wusste, dass dies der letzte Schlag sein könnte.
Ich legte meine Unterlagen beiseite, meine Hände waren feucht. Ich zog meinen Blazer glatt, versuchte, mir eine Fassung zu bewahren, die ich innerlich nicht spürte. Ich atmete tief durch und machte mich auf den Weg zu seinem Büro.
Voss’ Büro war immer makellos, die großen Fenster boten einen atemberaubenden Blick über die Dächer Berlins. Der Schreibtisch war aufgeräumt, keine einzige Akte lag fehl am Platz. Voss saß hinter seinem Mahagoni-Schreibtisch, seine Hände waren gefaltet, sein Blick war kühl und distanziert.
„Frau Brandt“, sagte er, ohne mich einzuladen, mich zu setzen. Seine Stimme war leise, aber eisig. „Danke, dass Sie so kurzfristig Zeit gefunden haben.“
Ich nickte nur, meine Hände hielt ich fest vor mir verschränkt. Ich spürte, wie meine Knie leicht zitterten, doch ich versuchte, es zu verbergen. Ich war entschlossen, mich nicht einschüchtern zu lassen.
„Ich habe unsere Situation überdacht“, fuhr Voss fort, sein Blick war auf mich gerichtet, doch seine Augen verrieten keine Emotion. „Ihre Leistung in den letzten Wochen… nun ja, sie entspricht leider nicht unseren Erwartungen.“
Seine Worte waren wie kalte Duschen, die mich durch und durch froren. „Ihrer Verantwortung für wichtige Dokumente sind Sie nicht nachgekommen. Ihre Teamfähigkeit hat gelitten.“
Er referierte die Liste der Vorwürfe, die er selbst konstruiert hatte, als wären sie objektive Fakten. Die fehlenden Unterlagen, die angeblich schlechte Kommunikation, die Isolation – alles wurde mir angelastet. Es war ein rhetorischer Angriff, der mich kalt erwischte.
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