Ärztin Lena Hoffmann wurde von Chefarzt-Ehemann Markus Weber geschlagen, wegen €10.500 Patientenfonds-Diebstahls beschuldigt – aber er hatte €170.000 mehr von ihrem Konto abgezogen
Finn saß auf seinem Bett, die Kopfhörer auf und die Lautstärke voll aufgedreht. Musik dröhnte durch seine Ohren, doch seine Gedanken kreisten um seine Mutter.
Er konnte nicht vergessen, wie Lena weinend das Haus verlassen hatte, ihre Augen rot und geschwollen. Er wollte glauben, dass sein Vater Recht hatte.
Markus war Chefarzt, eine Respektsperson. Lena hatte doch sicher einen Fehler gemacht, oder?
Die Tür zu Markus’ Büro stand einen Spalt offen. Normalerweise war sie fest verschlossen. Finn zuckte zusammen, als ein lauter, aggressiver Wortschwall aus dem Zimmer drang.
Er nahm die Kopfhörer ab, seine Ohren klingelten noch immer von der Musik. Die Stimme seines Vaters war unverkennbar.
„Halt die Klappe, Clara!“, brüllte Markus.
„Ich sage dir, diese Finanzprüfung geht dich nichts an. Du bist eine Kardiologin, keine Buchhalterin.“
Finn konnte das Adrenalin in seinen Adern spüren. Eine Finanzprüfung?
Sein Vater hatte doch immer gesagt, die Finanzen seien in Ordnung, alles nur Lügen seiner Mutter. Finn stand langsam auf, seine Füße klebten am Boden. Er schlich vorsichtig zur Bürotür.
Die Worte seines Vaters waren jetzt leiser, aber immer noch voller Zorn.
„Wenn du auch nur ein Wort darüber verlierst, verspreche ich dir, Clara, dann wirst du deinen Arztkittel verlieren. Für immer.“
Finn erstarrte. Der Ausdruck „Arztkittel verlieren“ war eine unmissverständliche Drohung im medizinischen Milieu.
Es bedeutete Berufsverbot, das Ende einer Karriere. Wer war diese Clara und was wusste sie über eine Finanzprüfung, die so brisant war, dass sein Vater zu solchen Drohungen griff?
Ein kalter Schauer lief Finn über den Rücken. Die Gewissheit, die er für seinen Vater empfunden hatte, begann zu bröckeln.
Er hatte Lena für schuldig gehalten, hatte die Anschuldigungen seines Vaters verteidigt. Jetzt hörte er diese Worte und spürte, wie sein Magen sich zusammenzog.
Markus’ Stimme war wieder lauter geworden, schärfer.
„Ich habe dir geholfen, damals. Erinnere dich daran, Clara. Ich weiß Dinge.“
Finn sah, wie sein Vater mit einer Handbewegung etwas vom Schreibtisch fegte. Ein kleines, gerahmtes Foto von Lena und ihm, das dort immer gestanden hatte, fiel zu Boden.
Das Glas zersprang mit einem leisen Klirren. Markus schien es nicht zu bemerken, zu wütend war er auf sein Gegenüber am Telefon.
Finn zog sich ungesehen zurück und setzte sich wieder aufs Bett. Er starrte auf seine Hände.
Die Geräusche aus dem Büro waren verstummt, die Tür war jetzt wieder fest geschlossen. Aber die Stille war lauter als jeder Lärm zuvor.
Sein Vater hatte ihm doch versichert, Lena hätte die Patientenfonds gestohlen. Er hatte die Story seiner Mutter als paranoid abgetan.
Doch der Zorn, die Drohungen, die Art, wie Markus gesprochen hatte – das passte nicht zu einem unschuldigen Mann. Markus war immer auf seinen Ruf bedacht gewesen, auf sein Bild.
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