Ärztin Lena Hoffmann wurde von Chefarzt-Ehemann Markus Weber geschlagen, wegen €10.500 Patientenfonds-Diebstahls beschuldigt – aber er hatte €170.000 mehr von ihrem Konto abgezogen
Lena saß an ihrem winzigen Küchentisch, umgeben von Absagebriefen. Jeder einzelne Umschlag, den sie in den letzten Wochen geöffnet hatte, enthielt dieselbe niederschmetternde Nachricht.
„Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen…“ Der Satz brannte sich in ihr Gedächtnis ein.
Sie hatte sich bei einem Dutzend Kliniken beworben, in kleineren Praxen, sogar in ländlichen Gebieten, wo Ärzte händeringend gesucht wurden. Doch überall traf sie auf dieselbe Wand.
Der Makel der Anschuldigungen, die Markus über sie verbreitet hatte, klebte an ihr wie Pech. Ihre Approbation war zwar noch nicht entzogen, aber das Verfahren zur Entziehung lief.
Das allein reichte aus, um jede Tür zu verschließen. Niemand wollte eine Ärztin einstellen, die unter Verdacht stand, Patientengelder veruntreut zu haben.
Sie legte den jüngsten Absagebrief auf den Stapel der anderen. Die Stapel wuchsen täglich.
Ihre finanzielle Situation wurde immer prekärer. Die kleinen Ersparnisse, die sie hatte, schmolzen dahin, um die Miete und Renates Pflegekosten zu decken.
Sie spürte eine wachsende Angst in sich aufsteigen. Wie sollte sie Renate weiterhin versorgen können?
Sie sah ihre Mutter im Nebenzimmer sitzen, wie sie mit ihren Händen spielte, eine Decke über den Knien. Renate war von Lenas Sorgen unberührt, gefangen in ihrer eigenen Welt.
Und genau das machte es für Lena noch schwerer. Sie war die Einzige, die für Renate da war.
Sie dachte an Evas Worte, dass die Wiederherstellung ihrer Approbation der Schlüssel zu ihrer Zukunft sei. Aber selbst wenn sie diesen Kampf gewinnen würde, würde ihr Ruf je wieder vollständig hergestellt sein?
Würde ihr jemand noch einmal vertrauen? Die Frage nagte an ihr.
Sie spürte, wie die Hoffnung in ihr schwand. Was, wenn sie nie wieder als Ärztin arbeiten könnte?
Was, wenn all die Jahre des Studiums, all die harte Arbeit, all ihr Engagement umsonst gewesen waren? Der Gedanke war unerträglich.
Plötzlich sah Lena eine kleine, unscheinbare Stelle auf dem Absagebrief. Ein fettgedrucktes Wort, das ihr vorher entgangen war: „Ethikrat“.
Eine ihrer Bewerbungen war anscheinend direkt an die Personalabteilung gegangen und nicht zuerst an den Ethikrat des Krankenhauses. Sie fragte sich, ob Markus’ Einfluss so weit reichte, dass er auch dort seine Fäden zog.
Die persönliche Grausamkeit dieser Situation war nicht nur die finanzielle Not oder der Verlust ihres Berufs. Es war der Verlust ihrer Identität.
Sie hatte ihr ganzes Leben darauf aufgebaut, Ärztin zu sein, Menschen zu helfen. Nun wurde ihr das genommen, und sie stand vor einem Nichts.
Die Vorstellung, eine andere Arbeit annehmen zu müssen, fernab der Medizin, war für sie unvorstellbar. Sie war Ärztin mit Leib und Seele.
Jeder Absagebrief war ein weiterer Beweis für die Kälte der medizinischen Gemeinschaft, die Markus’ Gerüchten blind vertraute. Es war ein indirekter Beweis für die Macht ihres Mannes.
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