Ihre Karriere sollte zerstört werden, damit er seine Geliebte heiraten konnte – doch sie erlebte seine Demütigung.
Gretas flüsternde Worte hallten in meinem Kopf nach. Otto Scholz.
Dieser Name war ein Schlüssel, der die Tür zu Klaus’ Vergangenheit öffnen konnte. Die Angst in Gretas Augen hatte mir gezeigt, wie gefährlich diese Tür sein mochte. Doch ich konnte nicht mehr zurück. Meine Narben waren noch frisch, die Wut tief. Ich würde nicht zulassen, dass Klaus Vogel ungestraft davonkam.
Am nächsten Morgen fragte ich Erna nach Otto Scholz.
Ich traf sie vor dem „Goldenen Hirsch“, als sie gerade Vorräte entgegennahm.
Sie sah mich mit ernster Miene an.
„Scholz? Der hat mal in der Altstadt einen kleinen Gemüseladen gehabt, bevor Klaus mit seinem Großhandel kam.“
Sie hob eine Kiste mit Kartoffeln.
„Man hat sich erzählt, Scholz hat sich mit Klaus angelegt, weil er ihm die Preise kaputtmachen wollte. Und plötzlich war Scholz’ Laden nur noch die Hälfte wert.“
Erna legte die Kiste ab.
„Er ist vor ein paar Jahren weggezogen. Irgendwo im Norden der Stadt, glaube ich. Hat ein kleines Büro aufgemacht. Aber er ist ein Eigenbrötler geworden. Spricht nicht gern über die alten Zeiten.“
Die Information war dünn, aber es war ein Anfang.
Ich verbrachte die nächsten Tage damit, in den weniger belebten Vierteln des Nordens zu suchen. Meine Bandagen waren inzwischen dünner geworden, aber die rosafarbenen Narben darunter zeichneten die Konturen einer neuen, fremden Helga. Die Blicke der Leute waren immer noch da, nur jetzt mischte sich Neugier mit offener Verlegenheit.
Schließlich fand ich ihn: Otto Scholz’ Büro. Es war ein schmales Zimmer in einem alten Mietshaus, das im Erdgeschoss kaum sichtbar war. Der Name stand auf einem verblichenen Schild an der Tür.
Ich klopfte.
Ein paar Sekunden vergingen, dann öffnete sich die Tür einen Spalt.
Ein Mann mittleren Alters, mit grauen Schläfen und einem sorgenvollen Gesicht, spähte heraus. Seine Augen waren wachsam, fast ängstlich. Er trug eine gestreifte Weste über einem weißen Hemd.
„Ja?“, fragte er, seine Stimme war dünn.
Ich schob den Schal von meinem Mund, sodass meine Narben und die noch frischen Verbände sichtbar wurden.
„Herr Scholz, mein Name ist Helga Richter. Ich… ich muss mit Ihnen sprechen. Es geht um Klaus Vogel.“
Sein Blick erstarrte. Seine Augen huschten über mein entstelltes Gesicht. Er sah aus, als hätte er einen Geist gesehen.
„Ich habe nichts mit diesem Mann zu tun“, sagte er und versuchte, die Tür zu schließen.
Ich stellte meinen Fuß in den Spalt. Der alte Holzrahmen knarrte.
„Bitte. Das, was mir passiert ist, hat direkt mit ihm zu tun. Und ich glaube, Sie wissen mehr, als Sie zugeben.“
Er zögerte. Ein Kampf tobte in seinen Augen. Angst und vielleicht ein Funke alter Groll.
Schließlich gab er nach. Die Tür öffnete sich widerwillig.
Das Büro war klein und spartanisch. Ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein gefülltes Bücherregal. Der Geruch von altem Papier lag in der Luft.
Scholz setzte sich hinter seinen Schreibtisch und gestikulierte auf einen anderen Stuhl.
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