Ihre Karriere sollte zerstört werden, damit er seine Geliebte heiraten konnte – doch sie erlebte seine Demütigung.
Die Aussage von Otto Scholz war ein doppelter Sieg. Ich hatte Rolf Weber am Tatort. Aber ich hatte auch einen zutiefst verängstigten Mann, der sich weigerte, offen auszusagen. Die Furcht vor Klaus’ Rache war größer als sein Gewissen. Und ohne die Verbindung zu Klaus war Scholz’ Aussage nur ein weiteres Mosaikstück, das nicht ins Gesamtbild passen wollte.
Ich verließ Scholz’ Büro mit einem bittersüßen Gefühl. Die Erkenntnis war da, aber die Ohnmacht war erdrückend. Ich brauchte einen Weg, Scholz zum Reden zu bringen, oder zumindest, um seine Aussage so wasserdicht zu machen, dass Klaus sie nicht einfach wegwischen konnte. Und ich musste die Verbindung zwischen Rolf und Klaus für diesen Angriff herstellen.
Ich ging zurück zu Erna. Der „Goldene Hirsch“ war am frühen Abend noch leer.
„Erna, ich habe Rolf Weber gefunden. Und ich habe einen Zeugen, der ihn am Tatort gesehen hat.“
Ich erzählte ihr von Scholz’ Geständnis, von seiner Angst.
Erna klopfte mit dem Wischlappen auf die Theke.
„Scholz ist ein armer Kerl. Er weiß, was auf dem Spiel steht. Klaus hat keine Hemmungen, Leute fertigzumachen.“
„Aber ich brauche diese Verbindung, Erna. Ich muss beweisen, dass Klaus ihn geschickt hat. Für diesen Angriff.“
Erna überlegte. Sie füllte ein Glas Wasser für mich ein.
„Rolf Weber… der Name kam mir bekannt vor. Nicht nur als Klaus’ Schläger. Da war noch etwas.“
Sie runzelte die Stirn, versuchte, sich zu erinnern.
„Mein alter Freund, Herr Müller, der war früher bei der Polizei. Kennt alle Leute in der Stadt. Er hat immer gesagt, ‚die Schmidts sind eine Sippschaft‘.“
Mein Herz klopfte schneller.
„Die Schmidts? Wie Hauptmann Schmidt?“
Erna nickte.
„Ja. Mein Freund hat immer von der ‚Familienbande‘ geredet. Schmidt, der Polizeichef, soll einen Neffen haben, der… nun ja, nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen ist, aber sich gut mit seinen Fäusten auskennt. Rolf hieß er, glaube ich.“
Ein kalter Schock durchfuhr mich. Rolf Weber, der Neffe von Hauptmann Schmidt. Der Polizeichef, der meinen Fall sofort als „tragischen Unfall“ abgetan hatte. Plötzlich fügten sich alle Puzzleteile zusammen. Die Vertuschung, die Ablehnung meiner Anschuldigungen, Klaus’ scheinbar unantastbare Position. Es war alles Teil eines Netzes aus Korruption und familiären Verbindungen.
„Erna, hast du eine Möglichkeit, das zu überprüfen?“, fragte ich, meine Stimme war nur ein Flüstern.
Erna sah meine Verzweiflung.
„Ich habe noch Kontakt zu Müllers. Ich kann ihn fragen. Aber wenn das stimmt, Helga, dann steckst du in tieferem Schlamassel, als du denkst. Dann ist das System gegen dich.“
Ich wusste es. Die Hoffnung, dass die offizielle Justiz mir helfen würde, schwand endgültig.
Ein paar Tage später kam Erna zu meiner Wohnung. Sie sah ernst aus.
Meine Mutter saß in der Küche und trank Tee. Lotte war in der Schule.
„Müller hat es bestätigt“, sagte Erna, ihre Stimme war leise.
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