Chapter 3: Die goldenen Fesseln

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Ich hatte kaum die Tür zu unserer Villa geöffnet, da stand Helga schon im Flur.

Ihre Augen fixierten mich, ein prüfender Blick, der vorgab, besorgt zu sein.

„Lena, mein Schatz, du siehst müde aus“, sagte sie, ihre Stimme tropfte vor falscher Süße.

Ich zwang mir ein schwaches Lächeln ab.

„Der Spaziergang war anstrengender, als ich dachte.“

Ich hatte den USB-Stick fest in meiner Jackentasche umklammert.

Die Wärme meines Körpers konnte seine Kälte nicht vertreiben.

Thomas trat aus seinem Arbeitszimmer.

Er wirkte aufgeräumt, souverän, aber ich sah das Blitzen in seinen Augen.

Das war der Jäger, der seine Beute eingekesselt hatte.

„Wir haben eine wichtige Entscheidung getroffen, Lena“, sagte er, seine Stimme war sanft, fast väterlich.

Aber ich hörte die Drohung.

Ich hatte sie schon in Helgas Anruf gehört.

„Für deine Genesung ist es das Beste, wenn du dich vollständig erholst. Ohne Ablenkungen.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Ich verstehe nicht“, sagte ich, meine Stimme war immer noch die der schwachen Lena, die sie von mir erwarteten.

Helga legte mir eine Hand auf den Arm, eine Geste, die Zuneigung vortäuschen sollte.

„Thomas und ich haben ein wunderschönes Anwesen gefunden. Ruhig, abgelegen. Perfekt, damit du wieder zu Kräften kommst.“

Abgelegen.

Das Wort hallte in meinem Kopf wider.

Faktische Isolierung.

Hausarrest.

„Für wie lange?“, fragte ich, meine Lippen waren trocken.

Thomas lächelte.

„Solange es nötig ist, Liebes. Wir wollen nur das Beste für dich.“

Seine Augen verrieten keine Wärme, nur Berechnung.

Ich wusste, was das bedeutete.

Kein Kontakt zur Außenwelt.

Kein Anwalt.

Kein Jonas.

Kein Elias.

Die Falle schnappte zu.

Ich versuchte, meine aufsteigende Panik zu unterdrücken.

„Was ist mit Elias?“, fragte ich.

Die Frage brannte auf meinen Lippen.

Helga strich mir über den Arm.

„Elias ist in besten Händen, Liebes. Er bleibt hier bei Thomas. Er braucht jetzt Stabilität.“

Ihre Worte waren wie Nadelstiche.

Sie rissen an meinem Herz.

„Ich möchte ihn sehen“, sagte ich, meine Stimme zitterte nun wirklich.

Thomas zögerte kurz.

Ein Blickwechsel zwischen ihm und Helga.

Dann nickte er.

„Du kannst ihn sehen. Bevor du gehst.“

Ich wusste, es war ein Köder.

Ein letzter Versuch, mich gefügig zu machen.

Ein kleiner Moment der Gnade, um mich dann vollständig zu brechen.

Ich nutzte die kurze Zeit, um in mein Zimmer zu flüchten.

Der USB-Stick.

Er musste sicher sein.

Ich versteckte ihn in der doppelten Rückwand eines alten Buches, das ich selten las.

Ein riskantes Versteck, aber es gab mir das Gefühl, die Kontrolle nicht vollständig verloren zu haben.

Ich eilte zu Elias’ Zimmer.

Er saß auf dem Teppich und baute mit Legosteinen einen Turm.

Sein Blick hob sich, als ich eintrat.

„Mama!“, rief er und ließ die Steine fallen.

Er rannte auf mich zu, und ich umarmte ihn fest.

Sein kleiner Körper war warm und voller Leben.

Meine einzige Motivation.

„Mein Schatz“, flüsterte ich und drückte ihn an mich.

„Mama muss für eine Weile weg. Ich muss mich erholen.“

Er sah mich mit großen Augen an.

„Bleibst du bei Papa?“

„Ja, Liebling“, sagte ich und zwang mich zu einem Lächeln.

„Du bleibst bei Papa.“

In diesem Moment trat Thomas ein.

Er lehnte sich an den Türrahmen, seine Arme verschränkt, ein triumphierender Ausdruck auf seinem Gesicht.

„Elias, geh doch bitte in dein Zimmer spielen“, sagte er ruhig.

„Mama und ich müssen kurz reden.“

Elias sah mich fragend an, aber ich nickte ihm zu.

Er ging widerwillig, seine kleinen Schultern hingen herab.

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