Chapter 4: Die kalte Berechnung

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Das Anwesen, in das sie mich brachten, war tatsächlich abgelegen.

Ein alter Landsitz, umgeben von einem weitläufigen Park und hohen Mauern.

Keine Nachbarn in Sicht, keine Möglichkeit, einfach wegzugehen.

Ein echtes Gefängnis, wenn auch ein sehr komfortables.

Es gab Personal, das Helga persönlich ausgesucht hatte.

Freundliche Gesichter, aber wachsamer Blick.

Sie waren meine Aufseher.

Ich verbrachte die ersten Tage damit, die Rolle der still leidenden, genesenden Frau zu spielen.

Ich las Bücher, machte Spaziergänge im Garten, alles unter diskreter Beobachtung.

Mein Handy war mir „zu meiner Erholung“ abgenommen worden.

Kein Kontakt zur Außenwelt.

Aber ich hatte einen Plan.

In der Bibliothek des Anwesens gab es einen alten, fest installierten Telefonanschluss.

Er war für Notfälle gedacht, wurde aber selten benutzt.

An einem Nachmittag, als die meisten Angestellten beim Mittagessen waren, nutzte ich meine Chance.

Ich ging zur Bibliothek, mein Herz schlug bis zum Hals.

Meine Hände waren feucht.

Ich hatte die Nummer von Anwalt Schmidt im Kopf.

Ich hob den Hörer.

Ein Freizeichen.

Ich wählte.

Die Minuten, die ich auf seine Stimme wartete, zogen sich endlos.

Jeder Klingelton war wie ein Schlag.

Würde er abnehmen?

Würde man mich entdecken?

Dann: „Kanzlei Schmidt, guten Tag.“

Ich atmete tief ein.

„Hier ist Lena Vogel“, sagte ich, meine Stimme war leise, aber fest.

„Ich muss dringend mit Herrn Schmidt sprechen.“

Die Empfangsdame klang überrascht.

„Frau Vogel? Es tut mir leid, aber Herr Schmidt ist in einer Besprechung. Kann ich ihm eine Nachricht hinterlassen?“

„Nein“, sagte ich bestimmt.

„Es ist absolut dringend. Sagen Sie ihm, es geht um den Vogel-Keller Fonds und um Thomas Keller.“

Ein Moment des Zögerns.

„Einen Moment bitte.“

Die Musik in der Warteschleife war eine Qual.

Dann hörte ich seine vertraute, ruhige Stimme.

„Frau Vogel? Was ist passiert? Ich hatte versucht, Sie zu erreichen.“

„Sie werden mich auch nicht finden, Herr Schmidt“, sagte ich.

„Ich bin praktisch unter Hausarrest. Thomas und Helga haben mich hierher gebracht, um mich zu isolieren.“

Ich sprach schnell, ich wusste nicht, wie viel Zeit ich hatte.

„Ich habe Beweise. Hardcore-Beweise.“

„Was für Beweise?“, fragte er, seine Stimme war jetzt gespannt.

„Jonas Berger hat sie mir gegeben. Ein USB-Stick. Finanztransaktionen, gefälschte Rechnungen, E-Mails zwischen Thomas und Gruber.“

„Das ist… das ist eine Sensation, Frau Vogel“, sagte er.

Ich hörte das Knistern der Leitung.

„Ich muss den Stick zu Ihnen bringen“, sagte ich.

„Aber ich bin eingesperrt.“

„Geben Sie mir das Passwort“, sagte Anwalt Schmidt.

„Und verstecken Sie den Stick so gut es geht. Ich werde einen Weg finden, ihn zu Ihnen zu holen.“

Ich zögerte.

War das klug?

Sollte ich ihm das Passwort am Telefon sagen?

Aber ich hatte keine andere Wahl.

„Das Gründungsdatum des Fonds“, sagte ich.

„Tag, Monat, Jahr.“

Ich nannte ihm die Zahlen.

„Sehr gut“, sagte er.

„Ich werde mich umgehend darum kümmern. Bleiben Sie unauffällig. Versuchen Sie nicht, erneut anzurufen, es könnte abgehört werden.“

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