Reichtum und Verrat: Wie mein Ehemann und seine Mutter versuchten, mich mit kochendem Öl zum Schweigen zu bringen
Ein paar Tage später traf ich Max in einem kleinen, unauffälligen Café außerhalb des Reha-Zentrums. Ich war vorsichtig und hatte darauf bestanden, dass wir uns an einem neutralen Ort trafen, um jedes Risiko zu minimieren. Ich trug eine große Sonnenbrille und einen Schal, um meine Narben zu verbergen, auch wenn das Wetter eigentlich zu warm dafür war.
Max sah müde aus, aber seine Augen funkelten vor Konzentration. Er stellte eine Tasse Kaffee vor sich auf den Tisch.
„Elara, ich habe etwas entdeckt, das alles verändern könnte“, begann er ohne Umschweife.
Mein Herz pochte.
„Was ist es, Max?“
„Ich habe Lena, das ehemalige Zimmermädchen, noch einmal getroffen“, sagte er. „Sie war nervöser als beim letzten Mal, aber ich konnte sie überzeugen, dass es in ihrer eigenen Sicherheit lag, die Wahrheit zu sagen.“
Er machte eine Pause, um einen Schluck Kaffee zu nehmen.
„Sie erzählte mir von einer ‚großen Aufräumaktion‘, die Eleonora von Reichenbach kurz vor Ihrem Einzug in das Anwesen durchgeführt hat. Nicht nur eine normale Reinigung, sondern eine fast panische Säuberung. Möbel wurden verschoben, alte Dokumente sortiert, Zimmer umfunktioniert.“
„Was hat das mit der Kamera zu tun?“, fragte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Lena erzählte mir von einem alten, ungenutzten Serverraum unter dem Dachboden“, fuhr Max fort. „Sie kannte ihn, weil sie dort früher manchmal alte Weihnachtsdekorationen abgestellt hatte. Er war immer staubig und verrammelt. Aber kurz vor Ihrem Einzug wurde er plötzlich zur Sperrzone.“
Er beugte sich vor.
„Eleonora hat persönlich darauf bestanden, dass dieser Raum ‚für ihre wichtigen Erinnerungen‘ speziell gesichert und aufgerüstet wurde. Lena musste sogar ein paar Tage lang einen Handwerker bewirten, der dort oben gearbeitet hat, aber nie genau sagte, was er tat. Sie hörte nur Bohrer und sah Kabel.“
„Ein Serverraum“, murmelte ich. „Für ‚wichtige Erinnerungen‘.“
Claras Worte hallten in meinem Kopf wider: „Omas Geheimnislied“ und das „kleine rote Licht“. Eleonora war nicht nur grausam, sie war auch eine Perfektionistin. Sie dokumentierte ihre Taten.
„Ich habe mir das Anwesen von außen angesehen, so gut es ging, ohne aufzufallen“, sagte Max. „Der Dachboden ist von außen nicht zugänglich. Und die Fenster sind alle alt, keine Spur von neuen Verkabelungen. Aber ich habe die Baupläne des Hauses ausfindig gemacht, über alte Bauämter, was nicht ganz einfach war.“
Er schob mir ein zerknittertes Blatt Papier über den Tisch, eine grobe Skizze des Dachgeschosses.
„Hier“, sagte Max und zeigte auf einen abgelegenen Bereich. „Das muss der Raum sein. Laut den Plänen ist er isoliert, hat keine direkten Zugänge außer einer versteckten Tür vom großen Arbeitszimmer Eleonoras. Und er hat keine sichtbare Verbindung zum Hauptnetzwerk des Hauses.“
„Keine Verbindung zum Hauptnetzwerk?“, fragte ich. „Das ist ungewöhnlich für einen Serverraum.“
„Nicht, wenn man etwas komplett isoliert halten will“, erklärte Max. „Es muss ein Standalone-System sein. Vielleicht mit eigener Stromversorgung oder nur für sehr kurzfristige Aufzeichnungen gedacht, die dann extern gesichert werden.“
+ There are no comments
Add yours