Chapter 4: Die Versiegelung

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Heimleiter wollte Waisenjungen wegen einer "Halluzination" einweisen — Betreuerin entdeckte in seinen Zeichnungen das Geheimnis eines Vermissten

Chapter 1: Die Zeichnung, die niemals endete

Chapter 2: Richters Urteil

Chapter 3: Omars Entschlossenheit

Chapter 4: Die Versiegelung

Chapter 5: Karims Erinnerung

Chapter 6: Frau Schmidts Beobachtung

Chapter 7: Richters Rache

Chapter 8: Die Stille Konfrontation

Chapter 9: Das Verschwinden

Chapter 10: Die stille Trauer

Chapter 11: Eine lange Zeit später

Die Tage nach dem Gespräch mit Omar waren von einer seltsamen Anspannung geprägt. Ich versuchte, meinen normalen Alltag im Waisenhaus aufrechtzuerhalten, doch meine Gedanken kreisten unaufhörlich um den Wassertank und Richters Beteiligung.

Ich wusste, dass ich weitere Informationen brauchte, etwas Konkretes, das über Karims Zeichnungen hinausging. Und da war Marek.

Der Hausmeister, Marek Kowalski, war bekannt für seine einfache Art und seine Gesprächigkeit. Ich fand ihn im Heizungskeller, wo er an einem defekten Boiler hantierte.

“Marek, haben Sie einen Moment?”, fragte ich beiläufig, als ich eintrat.

Er blickte von seiner Arbeit auf, sein Gesicht war verschwitzt und schmutzig.

“Ja, Frau Özdemir? Brauchen Sie etwas?”

Ich lächelte sanft.

“Ich habe nur eine Kleinigkeit. Der alte Wassertank auf dem verlassenen Industriegelände… ich habe mich gefragt, wie es dem geht.”

Ich versuchte, meine Frage so klingen zu lassen, als wäre sie reine Neugier.

“Ich erinnere mich, dass er früher immer ein bisschen… heruntergekommen aussah.”

Marek wischte sich mit einem öligen Lappen über die Stirn.

“Ach, der Tank. Ja, der ist in Ordnung.”

Er lachte kurz.

“Herr Richter hat mich vor Monaten beauftragt, den richtig dicht zu machen. Wasserdicht. Und hermetisch.”

Mein Herz machte einen Sprung. „Wasserdicht und hermetisch“ – das waren ungewöhnlich spezifische Anweisungen für einen alten, ungenutzten Tank.

“Wirklich?”, fragte ich, meine Stimme klang hoffentlich unbeteiligt.

“Warum das denn so plötzlich? Gab es ein Problem?”

Marek zuckte mit den Schultern.

“Herr Richter sagte, es gäbe ‘strukturelle Probleme’. Ich sollte ihn von innen und außen versiegeln. Mit speziellem Dichtungsmittel.”

Er fügte hinzu:

“Eine teure Angelegenheit, war das. Aber Herr Richter bestand darauf. Musste schnell gehen.”

Meine Gedanken rasten. “Vor Monaten.” Das passte genau in den Zeitraum, in dem Rashid verschwunden war.

“Und Sie haben das gemacht?”, fragte ich, kaum atmend.

Marek nickte.

“Ja, klar. Ich habe zwei Tage daran gearbeitet. War ziemlich unangenehm da drin.”

Er verzog das Gesicht.

“Es roch auch irgendwie komisch. Alt, feucht, irgendwie modrig. Und ich musste mich beeilen, weil der Chef so Druck machte.”

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ein “komischer Geruch”, “modrig”. Und die Eile.

Das war kein Zufall. Richters “strukturelle Probleme” waren eine Lüge. Er hatte Marek benutzt, um etwas zu verbergen.

Ich zwang mich, weiter unbefangen zu wirken.

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