Ihre neue Ehefrau tauschte einen vergifteten Saft aus und filmte den Schwiegervater, der danach ihr Zimmer betrat, aber die Wahrheit zerbrach alles.
Der Geruch nach Desinfektionsmittel hing schwer in der Luft, als wir Max’ Zimmer betraten.
Das rhythmische Piepen der Geräte war leiser geworden.
Doch heute war etwas anders.
Max’ Augen waren offen.
Er starrte ins Leere.
Karin saß an seinem Bett.
Sie hatte einen kleinen Aufschrei unterdrückt, als er die Augen geöffnet hatte.
Ihre Tränen flossen jetzt still.
Anton und ich blieben wie angewurzelt stehen.
Ein Hoffnungsschimmer durchzog die erstickende Schwere des Raumes.
Er war aufgewacht.
Doch sein Blick war leer.
Er schien uns nicht zu sehen.
„Max?“, flüsterte Karin.
Ihre Stimme war voller Sorge.
Max blinzelte langsam.
Sein Blick schweifte durch den Raum.
Er fixierte nichts.
Es war, als ob er durch uns hindurchsehen würde.
Dr. Schmidt kam herein.
Sein Gesicht zeigte eine Mischung aus Erleichterung und Besorgnis.
„Er ist aufgewacht“, sagte er leise.
„Aber er ist noch sehr desorientiert. Die Auswirkungen des Mittels sind noch stark.“
Er trat an Max’ Bett.
„Max, kannst du mich hören?“, fragte er.
Max zuckte zusammen.
Er drehte seinen Kopf leicht zur Seite.
Seine Augen huschten von einem Gesicht zum nächsten.
Seine Atmung war flach und unregelmäßig.
„Was… was ist passiert?“, flüsterte Max.
Seine Stimme war kratzig.
Er klang wie ein kleines Kind.
„Du hattest einen Unfall, mein Schatz“, sagte Karin.
Ihre Stimme war voller mütterlicher Wärme.
Anton trat vor.
Er setzte sich auf den Stuhl neben Max’ Bett.
„Max, erinnerst du dich an den Abend?“, fragte Anton sanft.
„Vor drei Wochen. Als du in Luises Zimmer warst.“
Max’ Augen weiteten sich leicht.
Ein Ausdruck von Angst huschte über sein Gesicht.
Er zog die Hand weg, die Karin gehalten hatte.
„Nein“, flüsterte er.
„Ich… ich weiß es nicht. Ich habe zu viel getrunken. Ich war betrunken.“
Er blickte Anton flehend an.
„Ich habe nichts getan, Anton. Ich war einfach… Ich weiß es nicht mehr.“
Die Worte trafen mich wie ein Schlag.
Er leugnete alles.
Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus purer Angst.
Aus Verzweiflung.
Dr. Schmidt sah uns an.
„Es ist typisch für die Auswirkungen dieses Mittels“, erklärte er leise.
„Die Erinnerungen können fragmentarisch sein. Es können sogar Filmrisse auftreten. Und das Trauma kann dazu führen, dass er Dinge verdrängt.“
Max’ Blick war jetzt auf den Boden gerichtet.
Seine Hände zitterten leicht.
„Ich habe nichts getan“, wiederholte er.
„Bitte. Lasst mich in Ruhe. Ich will nur… Ich will nur, dass alles wieder normal wird.“
Anton legte eine Hand auf Max’ Arm.
„Niemand sagt, dass du etwas getan hast, Max“, sagte er ruhig.
„Wir wollen nur verstehen, was dir angetan wurde.“
Max schüttelte den Kopf vehement.
Seine Augen waren jetzt weit aufgerissen, voller Panik.
„Nein! Lasst mich! Lasst mich einfach in Ruhe!“
Er versuchte, sich aufzusetzen, aber seine Muskeln waren zu schwach.
Er sank wieder ins Kissen zurück, keuchte.
Karin war sofort an seiner Seite.
Sie strich ihm über die Stirn.
„Beruhige dich, mein Schatz“, flüsterte sie.
„Alles ist gut. Wir sind für dich da.“
Doch Max’ Zustand verschlimmerte sich.
Er begann, undeutlich zu murmeln.
Worte wie „Vater“ und „Ärger“ waren zu hören.
Seine Angst vor Gerhard war tief verwurzelt.
Sie überschattete alles andere.
„Es ist nutzlos“, sagte Dr. Schmidt leise zu Anton.
„Er ist zu traumatisiert. Er wird unter diesen Umständen keine Aussage machen können.“
Der Verlust von Max’ Zeugenaussage war ein schwerer Rückschlag.
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