Der Druck war unerträglich geworden.
Der Gerichtstermin rückte näher, und meine Beweislage gegen Johanna war praktisch nicht existent.
Das Tagebuch war faszinierend, erschreckend, aber kein konkreter Beweis für Johannas Sabotage.
Ich fühlte mich wie in einem Strudel, der mich immer tiefer zog.
Eines Mittags, nach einem weiteren fruchtlosen Gespräch mit Dr. Brandt, der meine wachsenden paranoiden Gedanken über das Haus und Johanna nur mit besorgten Blicken quittierte, beschloss ich, mir einen Kaffee in meinem Lieblingscafé zu holen.
Es war ein Ort, an dem ich mich normalerweise geborgen fühlte, inmitten des belebten Stadttrubels.
Ich hoffte, die Anonymität der Menschen würde meine Gedanken ein wenig ordnen.
Das Café war an diesem Tag ungewöhnlich überfüllt.
Studenten, Geschäftsleute, Touristen – alle drängten sich um die Tische.
Ich bestellte einen Cappuccino und versuchte, einen freien Platz zu finden.
Während ich mich durch die Menge schlängelte, stieß mich plötzlich jemand an.
Eine junge Frau.
Sie war blass, ihre Augen waren weit aufgerissen und blickten nervös umher.
Ihre Hände zitterten leicht.
Es war Lena Schmidt, Johannas Assistentin.
Ich hatte sie ein paar Mal bei uns zu Hause gesehen, wenn sie Johanna Unterlagen brachte.
Sie war immer leise und zurückhaltend gewesen.
„Oh, Herr Richter! Entschuldigen Sie vielmals!“, stammelte sie, ihre Stimme war kaum hörbar über dem Stimmengewirr im Café.
Sie sah aus, als würde sie jeden Moment in Panik geraten.
Ihr Blick huschte kurz zu meiner Jackentasche.
Im selben Moment spürte ich, wie etwas kleines, Hartes in meine linke Jackentasche glitt.
Es war so schnell und diskret, dass es im Trubel des Cafés unbemerkt blieb.
Lena beugte sich näher zu mir, ihr Atem roch nach Pfefferminz.
Ihre Stimme war ein kaum hörbares Flüstern.
„Suchen Sie nach ‚Projekt Phönix‘ in den Dateien“, sagte sie, ihre Augen flehten mich an.
„Ihre Frau… es ist nicht fair.“
Bevor ich reagieren oder ihr eine Frage stellen konnte, drehte sie sich abrupt um und verschwand im dichten Gedränge.
Sie war so schnell weg, als hätte sie Angst, entdeckt zu werden.
Ich stand da, mein Cappuccino in der Hand, und starrte auf die Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatte.
Mein Herz raste.
Projekt Phönix.
Ihre Frau… es ist nicht fair.
Was zum Teufel hatte sie mir da zugesteckt?
Ich tastete vorsichtig in meine Jackentasche.
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