Nach der frostigen Reaktion meiner Familie und der juristischen Drohung wussten wir, dass eine direkte Konfrontation nicht zum Ziel führen würde. Wir brauchten eine andere Strategie, eine, die meinen Vater dort treffen würde, wo es ihm am meisten wehtat: seinen Ruf und seine finanziellen Machenschaften.
Ich traf mich erneut mit Max in seinem Büro. Die Atmosphäre war angespannt.
„Klaus lässt sich nicht einschüchtern“, sagte ich, meine Stimme war belegt.
Max nickte, sein Blick ruhte auf den Unterlagen.
„Das war zu erwarten, Elias. Er spielt das Spiel hart.“
Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, seine Finger trommelten leise auf dem Tisch.
„Aber ich kenne jemanden“, sagte er dann. „Jemanden, der sich nicht so leicht einschüchtern lässt und der genau nach solchen Geschichten sucht.“
Meine Brauen zogen sich zusammen. „Wer?“
„Dr. Clara Stein“, erwiderte Max. „Investigativjournalistin. Wir haben bei einem früheren Fall zusammengearbeitet. Sie ist scharfzüngig, unbestechlich und hat einen Riecher für Finanzskandale in den oberen Zehntausend.“
Der Name weckte eine vage Erinnerung. Clara Stein war bekannt für ihre kompromisslosen Enthüllungen, die in der Münchner High Society schon für einige Unruhe gesorgt hatten.
Ihre Artikel waren gefürchtet. Es war ein gewagter Schritt.
„Du denkst, sie würde uns helfen?“, fragte ich.
Max nickte.
„Sie arbeitet gerade an einer umfassenden Serie über Finanzmanipulationen und undurchsichtige Geschäfte in den Kreisen des alten Geldes. Dein Fall könnte perfekt hineinpassen.“
Am nächsten Tag trafen wir uns mit Clara Stein in einem neutralen Besprechungsraum. Sie war eine kleine, energische Frau mit wachen Augen und einem durchdringenden Blick, der keine Unwahrheiten duldete.
Sie legte ein kleines Notizbuch und einen Stift bereit. Ihr Blick war professionell, aber auch neugierig.
„Max sagte, Sie hätten eine interessante Geschichte“, begann sie, ihre Stimme war direkt und ohne Umschweife.
Ich nickte, mein Herz klopfte. Ich legte mein Smartphone auf den Tisch.
„Ich habe eine Aufnahme“, sagte ich. „Und ein paar Textnachrichten. Und alte Firmendokumente.“
Ich spielte ihr die Aufzeichnung vor. Clara Stein hörte aufmerksam zu, ihre Miene veränderte sich kaum.
Doch ich sah, wie sich ihre Augen bei den Details über Lenas Demütigung und Leos Misshandlung verengten. Bei dem Plan, Lena als mental instabil darzustellen, atmete sie scharf ein.
Als die Aufnahme endete, war der Raum still. Clara legte ihren Stift nieder.
„Das ist… bemerkenswert“, sagte sie. „Sehr persönlich. Und sehr detailliert.“
Ich schob ihr die Ausdrucke der Textnachrichten und die Dokumente von „Richter & Söhne Immobilien“ über den Tisch.
„Diese Nachrichten“, erklärte ich, „zeigen, dass meine Schwester Bettina über die illegalen Steuerpraktiken meines Vaters mit ‚Richter & Söhne Immobilien‘ Bescheid wusste.“
Clara nahm die Dokumente, ihre Augen glitten über die Zeilen. Sie las die beunruhigende Nachricht von Bettina, in der sie von den „selben Tricks“ sprach.
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