Während Clara Stein tief in die Finanzakten und Protokolle der Richter-Holding eintauchte, um die Verbindungen zu anderen „Old-Money“-Familien zu knüpfen, widmete sich Max Becker erneut dem alten Richter-Familien-Treuhänder-Testament. Er spürte, dass dort noch mehr verborgen lag als die Klausel zu Lenas Gunsten.
Max hatte mich gebeten, ihm eine weitere Kopie des gesamten, vergilbten Dokuments zu besorgen. Er saß in seinem Büro, umgeben von einem Meer aus alten Gesetzestexten und juristischen Kommentaren.
Er wollte jedes Wort, jede Fußnote, jeden scheinbar unbedeutenden Absatz auf mögliche Fallen oder verborgene Vorteile prüfen. Die Bürolampe war die ganze Nacht an, als er durch die dichten Seiten blätterte.
Ich war zu Hause bei Lena und Leo, versuchte, Normalität zu wahren, während die Sturmglocken in meinem Inneren läuteten. Die Ungewissheit war eine ständige Belastung.
Dann, am späten Nachmittag, rief Max mich an, seine Stimme war erfüllt von einer Mischung aus Aufregung und Unglauben.
„Elias, du wirst das nicht glauben“, sagte er.
Sein Atem ging schnell.
„Ich habe etwas gefunden. Etwas, das alles verändert.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
„Was ist es, Max?“, fragte ich, meine Stimme war heiser.
„Eine schlummernde Klausel“, erwiderte er. „Versteckt in einem Anhang, fast übersehen. Sie wurde wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr beachtet.“
Er erklärte mir, dass der Absatz besagte, dass jeder, der einen legitimen Erben des Anwesens – in diesem Fall Lena – durch Verleumdung, Misshandlung oder betrügerische Absichten zu entehren oder zu enteignen versucht, „seine eigenen Ansprüche auf jegliches Familienvermögen unwiderruflich verliert“.
Das hieß nicht nur der Verlust der Villa, sondern der vollständige Entzug jeglicher Ansprüche auf das gesamte Richter-Familienvermögen. Es war eine Art moralische Schutzklausel, die wohl von einem Vorfahren eingeführt wurde, um die Integrität der Familie zu wahren.
Ich konnte es kaum fassen. Mein Vater hatte die Villa Lena nur unter diesen Bedingungen gegeben, in der Annahme, Lena würde scheitern.
Aber das Testament enthielt eine viel größere Gefahr für ihn selbst. Es war ein Fall von poetischer Gerechtigkeit.
„Das würde Klaus, Renate und Bettina vollständig enterben“, sagte Max, seine Stimme war eilig.
„Wenn wir ihre Machenschaften beweisen können, verlieren sie alles. Jedes Erbe, jede Beteiligung an den Firmen, alles.“
Der Schock, den ich fühlte, war tief. Die Grausamkeit meines Vaters, Lena und Leo zu verleumden und zu misshandeln, würde ihn seine gesamte finanzielle Grundlage kosten.
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