Lena Richters Familie versuchte, sie nach dem Tod ihres Vaters zu betrügen — doch die Geheimdienstoffizierin hatte längst einen eigenen Plan
Herr Schmidt saß in seinem kleinen Büro, die Akte Richter vor sich. Der Druck, den Herr Gruber auf ihn ausübte, war unerträglich geworden. “Die Akte muss fertig sein, Schmidt! Ohne Wenn und Aber”, hatte Gruber ihm am Morgen zugeraunt, als er einen Stapel von Papieren auf seinen Schreibtisch knallte.
Sein Gewissen nagte an ihm wie nie zuvor. Er hatte die verschlüsselte Mailbox erhalten und erste, vage Informationen übermittelt. Doch er wusste, dass das nicht genug war.
Er brauchte handfeste Beweise, Dokumente, die die Ungereimtheiten unbestreitbar machten. Er dachte an die Hypothekenurkunde und das Gutachten von Frau Meier. Die grotesk niedrige Bewertung des Anwesens war ein Skandal.
Er erinnerte sich, dass es eine ältere Bewertung des Hauses in den Archiven geben musste, die vor der umstrittenen Hypothek erstellt worden war. Ein offizielles Gutachten, das den wahren Wert des Anwesens widerspiegelte. Das wäre der entscheidende “Zungenfehler”.
In seiner Mittagspause beschloss er, zu handeln. Er hatte die Gelegenheit genutzt, um unter dem Vorwand, alte Akten zu sortieren, in das Archiv zu gehen. Dort fand er die frühere, unveränderte Wertschätzung des Anwesens, die einen deutlich höheren Wert auswies als das gefälschte Gutachten von Frau Meier.
Zudem fand er eine Aufstellung über angebliche Schulden, die nicht existierten und von denen er wusste, dass sie ebenfalls manipuliert worden waren, um das Erbe zu schmälern. Zwei Schlüsselbeweise in seinen Händen.
Sein Herz pochte, als er die Dokumente kopierte. Er wusste, dass er sich auf dünnem Eis bewegte. Doch das Gefühl, das Richtige zu tun, überwog seine Angst.
Er ging zum öffentlichen Drucker im Wartebereich der Nachlassabteilung. Ein Ort, der von vielen Menschen genutzt wurde, aber selten direkt überwacht war. Er tat so, als würde er Kopien für eine andere Akte machen.
Seine Hände zitterten leicht, als er die Papiere in den Drucker legte. Er kopierte die Dokumente und ließ die Originale wieder im Archiv verschwinden, als ob nichts geschehen wäre.
Dann der entscheidende Moment. Unter dem Vorwand, dass der Drucker “stecken geblieben” sei, legte er die Kopien der früheren Wertschätzung und die Aufstellung der nicht existierenden Schulden auf den öffentlich zugänglichen Drucker. Er schob sie zwischen einige leere Blätter, so dass sie nicht sofort auffielen.
Sein Atem ging flach. Jeder Schlag seines Herzens dröhnte in seinen Ohren. Er hoffte, dass Lena oder ihre Kontakte diesen “unbeabsichtigten” Fund machen würden.
Er blickte sich nicht um, als er den Raum verließ. Er ging direkt zurück in sein Büro, setzte sich an seinen Schreibtisch und versuchte, seine Aufregung zu verbergen. Doch innerlich schrie er vor Anspannung.
Er hatte getan, was er tun konnte. Er hatte sein Gewissen erleichtert. Nun lag es an anderen, diese Beweise zu finden und zu nutzen.
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