Lena Richters Familie versuchte, sie nach dem Tod ihres Vaters zu betrügen — doch die Geheimdienstoffizierin hatte längst einen eigenen Plan
Die verschlüsselte Mailbox von Herrn Schmidt war in den letzten Tagen still geblieben. Ich wartete, spürte die Anspannung. Ich wusste, dass er mit seinem Gewissen rang und nach einer Möglichkeit suchte, handfeste Beweise zu liefern.
Ich hatte meiner ehemaligen Kollegin, die ich als Kontaktperson genutzt hatte, Bescheid gegeben, dass sie die Augen offen halten sollte. “Ein wichtiges Dokument könnte ‘verloren’ gehen”, sagte ich ihr am Telefon, “in der Nähe der Nachlassabteilung des Amtsgerichts.”
Sie verstand den Code sofort. Sie war diejenige, die die Fähigkeit hatte, Informationen unauffällig zu beschaffen und zu verarbeiten, ohne meine eigene Rolle zu kompromittieren. Sie war meine verlängerte Hand im System.
Am Nachmittag des nächsten Tages erhielt ich einen Anruf von ihr. Ihre Stimme war gedämpft, aber aufgeregt. “Lena, ich glaube, ich habe etwas gefunden. Zwei Dokumente auf dem öffentlichen Drucker im Amtsgericht. Sie wurden scheinbar vergessen.”
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Herr Schmidt hatte es getan. Er hatte den Mut gefunden.
“Was genau ist es?” fragte ich, meine Stimme war fast ein Flüstern.
“Eine alte Immobilienbewertung des Richter-Anwesens”, sagte sie. “Und eine Aufstellung über angeblich offene Schulden, die aber keinen Vermerk über tatsächliche Zahlungen haben.”
Das war es. Die frühere, unveränderte Wertschätzung des Anwesens und die Aufstellung der nicht existierenden Schulden. Der Beweis, dass Frau Meiers Gutachten eine Fälschung war und dass Jürgen falsche Schulden erfunden hatte, um das Erbe zu schmälern.
“Kannst du sie mir bringen?” fragte ich. “An unserem üblichen Treffpunkt?”
“Bin schon unterwegs”, sagte sie.
Unser Treffpunkt war ein unscheinbarer Park in einem Außenbezirk von Berlin. Zehn Minuten später saßen wir auf einer Parkbank, und sie übergab mir einen dicken Umschlag. Mein Herz pochte.
Ich öffnete den Umschlag und sah die Kopien der Dokumente. Die frühere Wertschätzung zeigte einen Wert, der dreimal so hoch war wie der von Frau Meier angegebene. Die Schuldenliste war eine grobe Fälschung, die keine Grundlage hatte.
Diese Dokumente, kombiniert mit meinen eigenen Recherchen über Notar Vogel, die Briefkastenfirma und die Bestechung von Herrn Gruber, ergaben ein lückenloses Bild. Es war ein klarer Fall von schwerem Betrug und Korruption.
Ich dachte an meinen Vater. An die Stunden, die er mit der Pflege seines Hauses verbracht hatte, an die Sorgfalt, mit der er seine Finanzen geregelt hatte. Diese Dokumente waren der Beweis, dass sein Haus nicht nur finanziell, sondern auch symbolisch angegriffen wurde.
Ich legte die neuen Beweise vorsichtig in die anonyme Akte, die ich für Staatsanwalt Bauer vorbereitet hatte. Die Akte war nun vollständig. Sie war eine Bombe, die bereit war, zu explodieren.
“Gute Arbeit”, sagte ich zu meiner Kollegin, “Du hast Großartiges geleistet.”
“Ich folge nur meinem Gewissen”, sagte sie. “Manchmal muss man die Regeln brechen, um das Richtige zu tun.”
Ich nickte. Diese Worte trafen einen Nerv. Es war genau das, was Herr Schmidt und nun auch sie getan hatten.
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