Lena Richters Familie versuchte, sie nach dem Tod ihres Vaters zu betrügen — doch die Geheimdienstoffizierin hatte längst einen eigenen Plan
Im Amtsgericht, in einer kleinen, stickigen Abteilung für Nachlassangelegenheiten, saß Herr Schmidt. Ein junger Mann, Mitte zwanzig, die Haare akkurat gescheitelt, die Hemden immer frisch gebügelt. Er war erst seit einem Jahr Notarsassistent, aber er nahm seine Arbeit ernst.
Seine Aufgabe war es, die eingehenden Akten zu prüfen und für die weitere Bearbeitung vorzubereiten. Die Akte Richter, die auf seinem Schreibtisch landete, war eine von vielen. Doch schon beim ersten Durchblättern fiel ihm etwas auf.
Die Notwendigkeit, diese Akte schnell zu bearbeiten, wurde von seinen Vorgesetzten betont. “Dringend”, stand auf einem gelben Post-it, das auf der Vorderseite klebte. Herr Gruber, sein direkter Vorgesetzter, hatte es persönlich darauf geklebt.
Herr Schmidt war ein gewissenhafter Mensch. Er liebte die Ordnung und die Präzision, die sein Beruf erforderte. Doch die Akte Richter passte nicht in sein Schema.
Die Hypothekenurkunde, insbesondere die Bewertung des Anwesens, schien ihm merkwürdig. Er kannte die Gegend, wusste, dass die Immobilienpreise dort deutlich höher lagen, als es in dem Gutachten von Frau Meier stand. Eine solche Diskrepanz war auffällig.
Er legte das Gutachten beiseite und zog die Originale der notariellen Urkunden heran. Die fehlende Unterschrift des Notars an einer entscheidenden Stelle, der Stempel, der ein paar Monate zu alt war – es waren kleine, aber eindeutige Fehler. Herr Schmidt runzelte die Stirn.
Er ging zu Herrn Gruber. “Entschuldigen Sie, Herr Gruber”, sagte er leise, “aber bei der Akte Richter gibt es ein paar Ungereimtheiten. Die Bewertung des Hauses scheint zu niedrig, und die notarielle Urkunde hat einige Fehler.”
Herr Gruber hob den Kopf, sein Blick war genervt. “Schmidt, Sie sind neu hier. Nicht jede Akte ist perfekt. Das ist ein wichtiger Fall, und er muss schnell durch. Stellen Sie keine Fragen, machen Sie einfach Ihre Arbeit.”
“Aber die Bewertung…” begann Herr Schmidt.
“Die Bewertung ist, wie sie ist”, unterbrach ihn Herr Gruber schroff. “Frau Meier ist eine anerkannte Gutachterin. Wir haben hier keine Zeit für Bedenken, die auf Ihrem ‘Gefühl’ basieren.”
Herr Schmidt spürte einen Kloß im Hals. Er war nicht der Typ, der Konflikte suchte. Aber sein Gewissen nagte an ihm. Es war nicht nur ein “Gefühl”, es waren konkrete Diskrepanzen.
Er ging zurück an seinen Schreibtisch, die Worte Herrn Grubers hallten in seinen Ohren wider. “Stellen Sie keine Fragen.” Aber er konnte die Fragen nicht abstellen.
Er dachte an seine Ausbildung, an die Professoren, die ihm die Bedeutung von Integrität und Genauigkeit im Notariat eingeprägt hatten. Er hatte immer daran geglaubt, dass er dazu beitragen würde, Gerechtigkeit zu gewährleisten. Doch hier sah er, wie das System manipuliert wurde.
Die Akte Richter lag da, ein stummer Zeuge der Unregelmäßigkeiten. Er konnte sie nicht ignorieren. Er fühlte sich zunehmend unwohler.
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