Lena Richters Familie versuchte, sie nach dem Tod ihres Vaters zu betrügen — doch die Geheimdienstoffizierin hatte längst einen eigenen Plan
Die Tage vor der letzten Nachlassverhandlung waren für Jürgen Lindner eine Qual. Er spürte, dass sich die Schlinge zuzog. Seine dubiosen Kontakte wurden zunehmend unzugänglich. Anrufe wurden ignoriert, E-Mails blieben unbeantwortet. Die Quellen, die ihm sonst immer Informationen und Sicherheit gegeben hatten, waren verstummt.
Er erhielt kryptische Warnungen von anonymen Nummern: “Das Spiel ist aus, Jürgen.” Oder “Die Wände haben Ohren.” Er versuchte, Frau Meier zu erreichen, aber auch sie war abgetaucht.
Panik ergriff ihn. Er hatte sich sicher gefühlt, unantastbar. Doch jetzt zerfiel seine Welt um ihn herum.
Am Vorabend der Verhandlung brach er völlig zusammen. Er saß in Susannes Wohnzimmer, sein Gesicht war bleich, seine Hände zitterten. Er versuchte, einen letzten Kontakt herzustellen, aber alle Versuche scheiterten.
“Wir müssen fliehen, Susanne!”, sagte er, seine Stimme war gepresst. “Sofort! Wir müssen das Land verlassen!”
Susanne blickte ihn an, ihr Gesicht war blass. Seit unserem Treffen hatte sich etwas in ihr verändert. Ihre anfängliche Gier war einer wachsenden Unsicherheit gewichen.
Sie hatte die Nachlassdokumente, die Jürgen ihr immer wieder zur Unterschrift vorgelegt hatte, genauer angesehen. Die Diskrepanzen, die ich angedeutet hatte, waren plötzlich offensichtlich. Die Lügen, die Jürgen ihr erzählt hatte, begannen, sich in Luft aufzulösen.
“Fliehen? Wohin denn?”, fragte sie, ihre Stimme war kaum hörbar. “Was ist los, Jürgen?”
“Die Polizei ist hinter uns her”, sagte er, seine Augen waren weit aufgerissen. “Frau Meier ist weg, alle sind weg. Wir müssen verschwinden, bevor sie uns schnappen!”
Susanne sah seinen angstverzerrten Blick. Das war nicht der selbstbewusste, überzeugende Jürgen, den sie kannte. Das war ein Mann, der in Panik geriet.
Die volle Tragweite seiner Verstrickungen und ihr eigener unvermeidlicher Ruin wurden ihr in diesem Moment bewusst. Sie hatte geglaubt, an einem cleveren Geschäft teilzuhaben, doch in Wahrheit war sie in eine ausgewachsene kriminelle Verschwörung verwickelt.
Sie spürte einen kalten Schrecken, der sich in ihrem Magen ausbreitete. Es war nicht mehr nur um das Erbe gegangen. Es ging um ihre Freiheit, um ihre Zukunft.
Sie dachte an meine Worte im Café, an das Foto meines Vaters, das ich auf dem Tisch gelassen hatte. Der Verrat. Er hatte ihr in die Seele gesprochen.
Jürgen packte ihre Hand. “Komm schon, Susanne! Wir haben keine Zeit. Ich habe etwas Geld beiseitegeschafft. Wir können neu anfangen!”
Susanne zog ihre Hand weg. “Neuanfangen? Wo? Als Flüchtlinge? Was ist mit Tobias?”
Jürgen zuckte die Achseln. “Tobias muss sich selbst helfen. Er ist alt genug.”
Diese Gleichgültigkeit gegenüber ihrem eigenen Sohn schockierte Susanne. Jürgen kümmerte sich nur um sich selbst. Er hatte sie nur benutzt.
Ein neuer, kalter Schrecken legte sich über ihr Gesicht. Der Traum vom Reichtum zerfiel vor ihren Augen. Die Realität des Betrugs traf sie mit voller Wucht.
Sie sah ihn an, und in ihren Augen war jetzt nicht nur Angst, sondern auch eine wachsende Wut. Wut darüber, dass er sie in diese Situation gebracht hatte. Wut darüber, dass er ihre Gier ausgenutzt hatte.
“Nein”, sagte sie leise. “Ich fliehe nicht mit dir.”
Jürgen starrte sie ungläubig an. “Was sagst du da? Bist du verrückt? Sie werden uns beide schnappen!”
+ There are no comments
Add yours