Die Haushälterin, deren Tochter auf dem Gesicht des Mafiabosses malte und so sein gesamtes Imperium entlarvte.
Klara rannte auf die offenstehende Tür der Lagerhalle zu, das Adrenalin pumpte durch ihre Adern. Der Geruch von feuchtem Beton und altem Öl schlug ihr entgegen. Der riesige Raum war in völlige Dunkelheit getaucht, nur Mondlichtstrahlen fielen durch die hohen Fenster und zeichneten gespenstische Muster auf den Boden.
“Klara, warten Sie!”, rief Richter hinter ihr, doch Klara ignorierte sie. Ihre Schritte hallten in der Leere der Halle wider, ein verräterisches Geräusch.
Sie stolperte über ein Hindernis, ein altes Seil, das auf dem Boden lag. Klara fing sich ab, ihr Herz raste. Hier war niemand. War es eine falsche Spur? Eine Ablenkung?
Sie suchte nach einem Lichtschalter, tastete an der Wand entlang. Die Luft war kalt und stickig. Sie bemerkte die frischen Reifenspuren, die sich im Staub des Bodens abzeichneten. Ein großer LKW hatte hier geparkt, erst vor Kurzem. Das war kein verlassener Ort.
Klara ging tiefer in die Halle hinein, ihre Augen versuchten, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Hohe Regale, gefüllt mit undurchsichtigen Kisten, ragten wie dunkle Riesen in den Himmel. Sie hörte nichts, außer ihrem eigenen beschleunigten Atem.
Plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz am Hinterkopf. Die Welt drehte sich. Ein harter Schlag, der sie zu Boden gehen ließ. Klara sackte zusammen, ihre Sicht verschwamm. Ein Gestalt tauchte über ihr auf, groß und bedrohlich.
Sie spürte, wie sie an einen Stuhl gefesselt wurde, ihre Hände waren hinter ihrem Rücken zusammengebunden, die Seile schnitten in ihre Haut. Ihr Kopf dröhnte, ein stechender Schmerz pulsierte in ihren Schläfen.
Als ihre Sicht sich wieder klarte, sah Klara Otto Brandt vor sich. Er stand in einem Lichtkegel, der von einer einzelnen Deckenlampe ausging, die plötzlich eingeschaltet wurde. Sein Gesicht war zu einem kalten Lächeln verzerrt, seine Augen waren wie Eis.
“Ich wusste, du würdest kommen”, sagte er, seine Stimme war ruhig, aber durchdrungen von einer kalten Ironie. “Du bist nicht so unschuldig, wie du tust, Klara.”
Klara spürte, wie ihr die kalte Angst in die Glieder fuhr. Er hatte sie erwartet. Es war eine Falle gewesen. Eine Falle, in die sie gerannt war, wie ein naives Tier.
Brandt trat näher, seine Augen fixierten sie, als würde er sie wie ein Insekt unter einem Mikroskop betrachten. Er hielt das bekritzelte Dokument in der Hand, das er aus Lenas Spieluhr genommen haben musste. Die unschuldigen Kritzeleien Lenas auf der Vorderseite, die geheimen Notizen auf der Rückseite.
“Dieses kleine Kunstwerk”, sagte er und lachte leise, ein hässliches, zynisches Geräusch. “Hat mir viel Ärger bereitet.”
Klara starrte ihn an, ihre Wut mischte sich mit ihrer Angst. “Wo ist Lena?”, fragte sie, ihre Stimme war rau.
Brandt lachte wieder. “Deine Tochter ist in Sicherheit, Klara. Noch. Aber das kann sich ändern.” Er machte eine theatralische Pause, seine Augen leuchteten vor Bosheit. “Du hast die Spielregeln gebrochen. Und jetzt wirst du die Konsequenzen tragen.”
Er war nicht allein. Zwei große, muskulöse Männer standen im Schatten, ihre Gesichter waren undurchdringlich. Sie waren seine Bodyguards, seine Vollstrecker. Klara wusste, dass sie keine Chance hatte.
“Was wollen Sie von mir?”, fragte Klara, ihre Stimme war schwach.
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