Die Haushälterin, deren Tochter auf dem Gesicht des Mafiabosses malte und so sein gesamtes Imperium entlarvte.
Klara wusste, dass sie schnell handeln musste. Der Drache auf Lenas Zeichnung hatte eine weitere, schmerzhafte Verbindung zu Brandts krimineller Welt hergestellt. Sie musste das bekritzelte Dokument sichern, bevor Brandt seine Falle zuschnappen ließ.
Sie wartete auf den Abend, als Brandt in seinem Büro war und Lena schlief. Mit pochendem Herzen schlich Klara in Lenas Zimmer. Die Spieluhr stand auf dem Nachttisch, ihr zartes Lied verstummt. Klara hob die Ballerina-Figur erneut an, der winzige Mikrofon-Pin steckte noch an seinem Platz.
Vorsichtig entnahm sie die Wanze aus ihrem Versteck. Sie musste sie zerstören, aber so, dass es nicht auffiel. Sie wickelte sie in ein Taschentuch und zerdrückte sie dann mit einem schweren Buch. Das leise Knistern der Elektronik war fast unhörbar.
Dann holte Klara das zerknüllte Dokument aus ihrer Küchenschublade. Ihre Finger strichen über Lenas Kritzeleien, dann über die geheimen Notizen auf der Rückseite. Das winzige Wasserzeichen des Drachens war kaum zu erkennen, aber Klara wusste, dass es da war, ein stummer Zeuge.
Sie bettete das Dokument zwischen die Federn der Spieluhr, die sich unter der Ballerina-Figur befanden. Der Hohlraum war eng, aber das zusammengefaltete Blatt passte perfekt. Es war der letzte Ort, an dem Brandt es vermuten würde – in dem Geschenk, das er Lena gegeben hatte, in dem Objekt, das er zur Überwachung missbraucht hatte. Eine bittere Ironie.
Doch als Klara das Dokument einlegte, bemerkte sie etwas Neues. Lena hatte eine kleine, von ihr gezeichnete Drachenzeichnung in die Spieluhr geklebt, auf die Innenseite des Deckels. Es war derselbe stilisierte Drache, der Klara erst vor Kurzem als Brandts geheimes Logo identifiziert hatte. Lenas eigene, unschuldige Hand hatte das Symbol ihres Peinigers verewigt.
Die identische Drachenzeichnung, von der Klara wusste, dass sie Brandts geheimes Logo war, bestätigte die Bedeutung des Dokuments noch einmal. Es war, als ob Lena selbst, ohne es zu wissen, eine unsichtbare Verbindung zu Brandts krimineller Welt hergestellt hätte. Ihre kindliche Neugier und ihre Liebe zum Detail hatten ein unbestreitbares Indiz geschaffen.
Klara schloss den Deckel der Spieluhr, ihr Herz schlug wie wild. Das Dokument war sicher. Die Spieluhr, einst ein Symbol der kindlichen Freude, war nun zu einem Versteck für Brandts dunkelstes Geheimnis geworden. Und Lenas kleine Zeichnung darauf war ein weiteres, unerwartetes Puzzleteil, das die Wichtigkeit der Beweise untermauerte.
Sie legte die Spieluhr vorsichtig zurück auf den Nachttisch. Ein leises Gefühl des Triumphes mischte sich mit ihrer Angst. Sie hatte die Falle Brandts entschärft und sein eigenes Werkzeug gegen ihn gewendet. Doch die Erleichterung währte nur kurz.
Plötzlich klingelte ihr Handy. Klara zuckte zusammen, als würde ein Blitz in ihre unmittelbare Nähe einschlagen. Das grelle Klingeln durchschnitt die Stille des Raumes wie ein Messer. Auf dem Display erschien eine unbekannte Nummer. Eine Nummer, die sie nicht kannte, die aber eine Vorwahl aus Hamburg hatte.
Klara starrte auf das Display, ihr Finger schwebte über der Annahme-Taste. Wer konnte das sein? War es Brandt? Hatte er ihre Bewegungen bereits bemerkt, die zerstörte Wanze entdeckt? Hatte er eine weitere Falle gestellt?
Ihre Hand zitterte, als sie das Handy umklammerte. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie zögerte, den Anruf entgegenzunehmen. Jeder Anruf von einer unbekannten Nummer war jetzt eine potenzielle Gefahr, eine neue Stufe in Brandts Gaslighting-Spiel.
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