Stieftochter fordert Mafia-Thron um Mitternacht – aber ihre Stiefmutter besitzt längst alles
Einige Tage später, die Luft im Haus war noch immer von Noras Anwesenheit vergiftet, saß ich in meinem Arbeitszimmer.
Die Sonne schien durch die hohen Fenster, ein unpassend friedlicher Anblick.
Ich hörte ein Klopfen an der Tür.
„Herein“, sagte ich, ohne aufzusehen.
Meine Sekretärin trat ein, ihr Gesicht war straff vor Anspannung.
„Frau Brandt, Dr. Keller ist hier. Mit Nora und Herrn Voss.“
Ein eiskalter Finger fuhr mir über den Rücken.
Ich hatte es erwartet.
Die „legalen Drohungen“ von Nora hatten sich materialisiert.
Dr. Elias Keller.
Der Name war mir nur zu gut bekannt.
Ein schmieriger Anwalt, der in den Grauzonen des Gesetzes zu Hause war, sich aber als Notar noch besser auskannte.
Ein Mann, der jede Unterschrift fälschte, wenn der Preis stimmte.
„Lassen Sie sie eintreten“, sagte ich, meine Stimme war fest.
Ich stand auf, als sie hereinkamen.
Nora trug ein teures, aber schlecht sitzendes Umstandskleid und strahlte eine selbstgefällige Arroganz aus.
Lukas huschte wie ein Schatten hinter ihr her.
Und Dr. Keller.
Er war ein kleiner, gedrungener Mann mit einem teuren Anzug und einer Nickelbrille, die auf seiner fleischigen Nase thronte.
Sein Lächeln war eine sorgfältig geübte Maske der Seriosität, unter der die Gier und Skrupellosigkeit kaum verborgen lagen.
„Frau Brandt“, begrüßte er mich mit einer übertrieben höflichen Verbeugung.
„Eine Ehre.“
Ich erwiderte nichts, mein Blick wanderte von ihm zu Nora.
„Ich glaube, wir haben da eine kleine Angelegenheit zu klären“, sagte Nora, ihre Stimme triefte vor Triumph.
Ich setzte mich wieder hinter meinen Schreibtisch und deutete auf die Stühle vor mir.
Sie nahmen Platz.
Dr. Keller legte eine schwere Ledermappe auf meinen Tisch und öffnete sie mit einer theatralischen Geste.
„Wir sind heute hier, um die letzten Wünsche Ihres Mannes, Herrn Karl Brandt, zu vollziehen“, erklärte er salbungsvoll.
Er schob ein Dokument über den Tisch.
„Dies ist eine notariell beglaubigte Vollmacht, ausgestellt von Herrn Brandt, die seine Tochter, Frau Nora Voss, zur alleinigen Verwalterin seiner finanziellen und immateriellen Vermögenswerte bevollmächtigt.“
Ich nahm das Dokument in die Hand.
Die Schrift war klar, der Stempel echt.
Aber meine Augen suchten sofort nach der Unterschrift Karls.
Sie war dort.
Etwas zu sauber, etwas zu präzise für Karls sonst so schwungvolle, altersbedingt zittrige Handschrift.
Es wirkte, als wäre sie nicht von seiner Hand geführt worden, sondern unter Zwang oder Betäubung entstanden.
Eine perfekte Fälschung für das ungeübte Auge.
+ There are no comments
Add yours