Stieftochter fordert Mafia-Thron um Mitternacht – aber ihre Stiefmutter besitzt längst alles
In einem unscheinbaren Van, der strategisch günstig in einer Nebenstraße Altonas geparkt war, saß Lena Schilling.
Sie war umgeben von Bildschirmen, auf denen Überwachungsmaterial von verschiedenen Winkeln flimmerte.
Ihre Augen waren aufmerksam, ihre Finger tippten gelegentlich Notizen auf ihrem Laptop.
Lena war eine Investigativjournalistin mit einem Ruf, hartnäckig zu sein.
Ihr aktuelles Ziel war ein rivalisierendes Syndikat, die „Wolf-Brüder“, und ihre undurchsichtigen Immobilienkäufe.
Gerüchte besagten, dass sie zwielichtige Geschäfte abwickelten, die von einer Reihe „zufälliger“ Todesfälle begleitet wurden.
Sie wollte die Wahrheit aufdecken.
Gerade beobachtete sie das verlassene Lagerhaus, von dem sie annahm, dass es als Umschlagplatz für illegale Waren diente.
Plötzlich erfasste eine ihrer Kameras Bewegung.
Ein schwarzer Limousine fuhr vor, parkte etwas abseits.
Dr. Elias Keller stieg aus, seine glatte, selbstgefällige Art war unverkennbar.
Lena kannte ihn aus früheren Recherchen als zwielichtigen Notar, der immer am Rande der Legalität operierte.
Sie runzelte die Stirn.
Was hatte er hier zu suchen?
Dann öffnete sich die Beifahrertür, und Nora Voss stieg aus.
Hochschwanger, mit einem arrogant erhobenen Kopf.
Lena tippte sofort den Namen in ihre Suchmaschine.
Nora Voss.
Tochter von Karl Brandt.
Karl Brandt, der ehemalige „Pate“ Hamburgs, offiziell seit Jahren im Ruhestand, zurückgezogen.
Das war seltsam.
Nora und Keller gingen nicht in das Lagerhaus.
Sie standen an der Ecke der Straße, unter einem verblassten Graffiti, und sprachen miteinander.
Ihre Stimmen waren leise, aber Lenas hochempfindliche Mikrofone fingen Fetzen ihrer Unterhaltung ein.
„…Brandts Immobilien…“ hörte Lena.
„…die Umschreibungen müssen schnell gehen…“
„…Karl wird es nicht mehr merken…“
Lena stoppte die Aufnahme, spulte zurück, hörte es sich noch einmal an.
„Brandts Immobilien.“
Das konnte kein Zufall sein.
Karl Brandt, die Wolf-Brüder, Dr. Keller und Noras plötzliches Auftauchen.
Was hatte eine hochschwangere Frau mit den illegalen Geschäften eines Syndikats zu tun?
Und warum sprachen sie über „Brandts Immobilien“, wenn Karl doch im Ruhestand war?
Es passte nicht zusammen.
Ihr journalistischer Instinkt schrie auf.
Dies war eine lose Verbindung, ein Faden, der zu etwas Größerem führen könnte.
Sie speicherte die Aufnahmen sorgfältig ab, markierte die Zeitstempel und die Personen.
Ihre primäre Recherche über die Wolf-Brüder würde sie fortsetzen, aber dieser Nebenschauplatz war plötzlich viel interessanter geworden.
Während Lena in ihrem Van saß und die unheimlichen Zusammenhänge zu erkennen begann, spürte ich zu Hause die volle Last der Realität.
Karls Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag.
Seine Erinnerung war wie ein Sieb, durch das die jüngsten Ereignisse fielen.
Manchmal sprach er meine Hand und fragte mich, wer ich sei.
Manchmal sah er mich mit einem klaren Blick an und fragte nach Geschäften, die längst abgeschlossen waren, nach Männern, die schon lange unter der Erde lagen.
Ich saß oft an seinem Bett, hielt seine Hand und las ihm aus alten Zeitungen vor, Dinge, die er noch verstand.
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